Politikertherapie

24/02/2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Gerichtspsychiater Reinhard Haller ist nach seiner Prozessprominenz im Fall F. jetzt auch als Kenner der politischen Seele Österreichs gefragt. Da liegt auch Faymann ferndiagnostisch auf der Couch.

Was er im Presse-Interview sagt, das ist nichts anderes als das, was jeder von uns selbst schon mal in Freundesrunden, am Biertisch oder zwischendurch in der Kaffeepause gesagt hat. Immerhin ist Haller aber jemand, der jedermanns Ansichten kraft seines Titels so wiedergeben kann, dass sie ernst genommen werden.

Orientierungslosigkeit, Unzufriedenheit mit der Regierung, keine Visionen, keine Kontur, keine klaren Linien – kein Regieren. Das trifft gerade unsere vergangenen beiden Regierungen hübsch genau – besonders schmerzhaft bewusst ist dem Leser das natürlich bei der aktuellen.

Zwar gelingt es Interviewer Thomas Prior doch, Haller eine halb positive, zumindest grundsätzlich billigende Charakterisierung über Gusenbauer in den Mund zu drechseln, aber faktisch bleibt Gusenbauer genau wie Faymann einer, der nirgends anstreifen konnte und wollte. Der Gipfel war ja gleich der Anfang, als er ohne Zaudern und Zögern für den Kanzlertitel alle relevanten Ressorts verhökerte. Und jetzt: Genug gestritten, und kampfgelächelt. Wo die SPÖ diese Leute immer herholt muss man sich fragen.

Der neueste Streich war ja der peinliche Halbkniefall vor der öffentlichen Meinung in Sachen Graf. Wenn Faymann wenigstens überzeugend so tun könnte, als habe er von Graf die Nase voll und nun sei Schluss. Doch Emotionen, selbst gespielte, könnten irgendjemanden vor den Kopf stoßen. Also jammert der Mann lieber leise vor sich hin, dass die eigene Entscheidung, den vorgeschlagenen Kandidaten zu wählen, vielleicht doch nicht ganz so gut, und die bestehende Abwahlsperre vielleicht auch nicht so genial, man vielleicht eventuell genau das machen könnte, was die meisten Leute und die Kronen Zeitung jetzt im Moment wollen, et cetera.

Der Mann macht in seinem Fieberwahn den Graf noch mit einer „Lex Graf“ unsterblich und historisch bedeutsam.

Ehrlichkeit braucht es einmal.

Gewählt wird jeder Kandidat, weil niemand Wert darauf legt, dass beim nächsten Mal vielleicht der eigene Vorschlag von den anderen Fraktionen abgeschossen wird.
Und nicht abgewählt wird aus demselben Grund.

Mut braucht es einmal.

Einen dritten Nationalratspräsidenten kann man auch mal ignorieren. Bei Nachbarländern könnte man sich mal ebenso entschuldigen wie bei jüdischen Besuchern von Gedenkfeiern, die unversehens ohne Schutz im Kreuzfeuer von Gotcha-Kugeln stehen. Zu den eigenen Fehlern könnte man stehen. Ein eigenes Programm könnte man haben. Sich daran halten sogar.

Kann den Kanzler bitte mal jemand packen und schütteln, damit er etwas Haltung gewinnt?
Der Vize steht ja nah genug neben ihm und hat wohl auch genug Kraft in den Schultern dafür, aber für den ist es nur gut, wenn so ein Pappkamerad ihn selber im Vergleich so viel staatstragender aussehen lässt.

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Luglender

15/02/2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Richard Lugner wird vom „alten Geld“ verachtet, beim Opernball wird von den „Offiziellen“ schlecht über ihn geredet und sein Logenplatz weiter „ins Abseits“ gerückt. Ein Fehler.

Ioan Holender und Konsorten ärgern sich ja generell über die Plebejisierung des Opernballs mit seiner ORF-Übertragung, seinen ausländischen Filmstars und eben über den „Ritschie“ Lugner.

Doch seien wir ehrlich: Was wäre denn der Opernball ohne den „Mörtel“?
Was wäre der Opernball ohne die flachsinnigen, oberflächlichen Busenpromis aus der Schublade Hilton/Kardashian/Electra/Anderson?

Nur fette Financiers und alte Adelige?

Es wäre eine Elitistenveranstaltung, bei der sich die „Besseren“ treffen und sich vor der Außenwelt verschließen, ein Zarenball für die Fetten und Eingebildeten, ein eitles Meeting der mieselsüchtigen Geldsäcke.

Lieber auch aufgeplusterte Plebs!

Durch die Tendenz zum eitlen Meeting der übereifrigen B- und C-Promis und als Wunschziel eifrig sparender Minderwertigkeitskomplexler, deren fragiles Selbstbewusstsein durch den verblassenden Aufdruck auf billigen Visitenkarten mühevoll genährt wird, genießt der Opernball immerhin TV-Appeal und eine Relevanz in den Medien und in der Öffentlichkeit, die dem Haus am Ring wenigstens ein einziges Mal im Jahr das Interesse der Menschen da draußen beschert.

Also, Holender: Sei dankbar für den Luggi.
Dich besser fühlen kannst du ja trotzdem. Im Stillen.

Kommentare

juliaselma schrieb:

yeah. Her mit dem Pöbel!
Sonntag, 15. Februar 22:09

Wo bin ich?

Du siehst dir momentan die Archive für Februar, 2009 auf misoskop an.