Global

25/10/2008 § Hinterlasse einen Kommentar

Österreich hält seit 17. Oktober einen Sitz im Sicherheitsrat. Was machen wir damit? Ein Global Player sind wir nicht. Seit vielen, vielen Jahren haben wir international unsere Stimme nich mehr erhoben.

Natürlich ist gerade das in der UNO eine Empfehlung: Leisetreter, die nicht viel Gegenwind liefern, die den „Großen“ keine Schwierigkeiten machen und vor denen die „Kleinen“ sich nicht fürchten müssen.

Betrachten wir einmal die Liste unserer neuen Kollegen im Gremium: die Türkei, die sich von einer Zusammenarbeit mit Wien Impulse für den angestrebten EU-Beitritt erhofft. Uganda, dem Österreich vor Jahren besonders verbunden war (Unterolberndorfer Programm). Mexiko und Japan, zwei alte Hasen, die immer mal wieder im Sicherheitsrat mitspielen.

Angriff oder Verteidigung

„Neuer österreichischer Botschafter bei der UNO in New York und damit Repräsentant Wiens im Sicherheitsrat wird der bisherige Politische Direktor im Außenministerium, Thomas Mayr-Harting.“

Gratulation an Herrn Mayr-Harting, unbekannterweise.
Die ehemalige Außenministerin Ferrero-Waldner empfiehlt ihm, sich als „Sprachrohr Europas“ zu positionieren, sprich, die Ohren anzulegen und Großbritannien und Frankreich zu Diensten zu sein. Aus der sicheren Deckung einer Redaktionsstube heraus empfiehlt Julia Raabe im Standard das Gegenteil: das außenpolitische Profil Österreichs heben, Position beziehen, kontra geben. Für Österreich sicher nicht schlecht, für Herrn Mayr-Harting persönlich wohl der Todesstoß, wenn er so vermessen wäre, das zu wagen.

Weltgemeinschaft

Aber blicken wir der Wahrheit ins Auge: Nicht nur Österreich ist kein Global Player, auch die UNO selbst hat extrem gelitten. Srebrenica hat die Weltgemeinschaft schwer verwundet, aber sie hat sich beinahe wieder gefangen – Osama bin Laden und George W. haben ihr den Rest gegeben.
Als die UNO eine Power-Point-Präsentation als „Beweis“ akzeptierte, hat sie ihr eigenes Grab ausgehoben, sie hineinzuschubsen war dann eine Selbstverständlichkeit.

Die UNO entscheidet heute gar nichts mehr – außer, welcher Promi im aktuellen Jahr als UNICEF-Botschafter durch die Welt tingeln darf. Die UNO ist den Weg des Völkerbunds gegangen – in die Bedeutungslosigkeit. Und genau das ist auch ein Sitz im Sicherheitsrat: bedeutungslos.

Außer für Herrn Mayr-Harting.

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