VdB

03/10/2008 § Hinterlasse einen Kommentar

Heute hat Alexander Van der Bellen seinen Rücktritt als Bundessprecher der Grünen erklärt. Mehr als 10 Jahre an der Spitze, mehr als 10 Jahre „anders sein“.

Die Agenturen schreiben: Am Wahlabend habe er bereits gewusst, dass es Zeit für einen Neubeginn in der Partei sei, erläuterte Van der Bellen. Er habe aber mit der Verkündung seiner Entscheidung auf den erweiterten Bundesvorstand warten wollen, sagte er. Nachdem er auf der kurzfristig einberufenen Pressekonferenz seinen Rücktritt offiziell mitgeteilt hatte und Eva Glawischnig zu seiner Nachfolgerin erklärt hatte, beschloss er sein Statement mit „Liebe Eva, ich wünsche Dir alles Gute“.

Glawischnig dankte es ihm mit den Worten, es tue ihr sehr leid, dass er gehe: „Danke Sascha, danke für die schöne Zeit“. In ihrer Stellungnahme hob sie Van der Bellen als einen Politiker hervor, der Rituale in der Politik hinterfragt habe. Dafür würde er über alle Parteigrenzen hinweg geschätzt, so Glawischnig.

„VdB“ war der Politiker in Österreich, den ich in den vergangenen Jahren, nein, den ich überhaupt, seit ich die politische Entwicklung des Landes verfolge, am meisten geschätzt habe.

Nachdem mir Petrovic die Schauer reihenweise über den Rücken gejagt hatte, hat er den Grünen ein kluges und menschenfreundliches Antlitz verliehen, und sein Grundsatz – ruhig überlegen, ruhig bleiben, ruhig sprechen – hat einen angenehmen und sympathischen Kontrapunkt zur ansonsten überall in der Innenpolitik grassierenden künstlichen Aufgeregtheit gesetzt. Wir waren nicht immer einer Meinung, er und ich, aber ihm kann das natürlich egal sein, und ich kann ihn aufgrund seines Stils, seines Auftretens und seiner besonnenen und schlüssigen Argumentation auch in den Themenfeldern, die er anders betrachtet als ich, respektieren.

Nur allzu oft geht es heimischen Politiker nur darum, den Standpunkt ihrer Partei durchzuboxen, die Reden der „Gegner“ werden nur Satz für Satz auf der Suche nach Schlüsselworten für Zwischenrufe und Beschimpfungen oder nach Schwächen in der Argumentationskette angehört, nie in ihrer Gesamtheit ernst genommen. Van der Bellen dagegen ist jemand, dem man glaubt, dass er wirklich zuhört, dass er mitdenkt und das von anderen Gesagte durchdenkt und verstehen möchte. Er ist jemand, mit dem man reden kann, nicht jemand, der auf einen einredet.

Er passt nicht in diese Welt, in diese Verkäuferwelt, in der Melamin wichtiger ist als Milch und Erdöl wichtiger als Blut, in der kurzfristiger Erfolg das ein und alles ist und Dauerhaftigkeit als Trägheit und Mangel verdächtig ist. Er ist einer von den Echten in der Welt der Aufschneider, ein Ehrlicher in der Welt der Lügner, und als Wirtschaftsprofessor: eine harte Münze in der Welt des Buchgeldes, eine materiell vorhandene Sache in der Welt der Termingeschäfts- und Kredit-Blasen.

Der Rücktritt ist kein ganzer, aber doch so gut wie. Der Parlamentarismus in Österreich ist ein schlechter Witz, Van der Bellen als Teil eines der gesichtslosen Blöcke im „Hohen Haus“ ist leider eben nur das: Teil eines der gesichtslosen Blöcke.

Die neue: Covergirl für News, Woman und Madonna. Kein grauslicher Besen wie einst, aber ein Stück Fassade, passend zur Austauschbarkeit der heutigen Parteien, deren primäre Unterscheidung durch die Farbe passiert, nicht durch die Inhalte.

Schade. Aber: Alles Gute, Eva.
Danke, Sascha.

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