Genschuld

31/10/2007 § Hinterlasse einen Kommentar

Die Chefredaktrice des Standard wundert sich über die österreichischen Abwehrreflexe in Sachen Gentechnik. Doch es gibt gute Gründe für die meisten Reflexe – auch für diesen.

fragegen

Alexandra Föderl-Schmid glaubt an die Zukunft, und das ist sicher auch oft gut so. Doch sollte das Vertrauen in den Fortschritt nicht den Blick auf die Realitäten des Einzelnen verstellen. Ein Poster im Standard-Forum trifft den Nagel auf den Kopf:

antwortgen

Dumm, wenn man für Brot und Gemüse Tantiemen an Bayer und Konsorten zahlen muss – und wenn womöglich per Gerichtsbeschluss ganze Ernten vernichtet werden, weil ein gewisser Anteil an im Konzerneigentum befindlichen Elementen unter den zur Aussaat verwendeten Bio-Materialien sind und der „Eigner“ seine Auflagen nicht erfüllt sieht.

Welcher Landwirt hat das Equipment, sein Saatgut auch auf Freiheit von Patenten zu überprüfen?
Willkommen, Schlaraffenland der Rasterelektronenmikroskope und Molekularbiologen. Willkommen, Abhängigkeit.

PS:
Und jetzt nochmal lesbar:

lesbar

Advertisements

Fuzz

31/10/2007 § Hinterlasse einen Kommentar

„Hot Fuzz“ – kürzlich im Kino, jetzt auf DVD – ein unfassbarer Film. Britischer Humor, und überraschenderweise doch mit Recht erst ab 16. Die erste halbe Stunde über habe ich mich noch gewundert: wieso ab 16? Der ist doch durchaus verträglich für alle Altersstufen.

Doch, wie es gern so kommt im Leben: Es ist dabei nicht geblieben. 16 ist richtig, das unterschreibe ich auch.

Starke Handlung

Über den Inhalt sei nichts verraten, „Hot Fuzz“ verdient die Art ungeteilte Aufmerksamkeit und Spannung, die nur durch Ahnungslosigkeit entsteht. Auch die zahlreichen Trailer sind so geglückt geschnitten, dass sie nicht den Hauch eines Hinweises auf die starke Handlung geben.

Ein, zwei Details aber plaudere ich aus: Die „normalen“ Menschen sind in der Liste der Dramatis personae in der Minderheit. Es ist ein gewitztes und witziges Portrait der britischen Kultur, das hier mit liebevollen Strichen im Hintergrund gezeichnet wird. Die englische Aussprache in der Originalfassung ist der Traum eines jeden ernstzunehmenden Englischlehrers. Und: Sowohl Handlung als auch Schnitt sind rasant, dabei aber so gekonnt gesetzt, dass das sonst oft bei rasanten Filmen auftretende unangenehme Schwindelgefühl ausbleibt um Platz zu machen für belebende Adrenalinschübe. Spaß, Action und Suspense in einem ausgewogenen Verhältnis, Hut ab.

Offiziell: Hot Fuzz

Eine Warnung, trotzdem, und zwar an jene, die auf gnadenlosen Realismus Wert legen: Die „Macher“, wie es so oft und gerne heißt, dieses Films gehören nicht zu euch, hier nimmt Realismus ganz hinten irgendwo im Dunkeln Platz. Aber gebt „Hot Fuzz“ trotzdem eine Chance. Er hat’s verdient.

Translation

26/10/2007 § Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe gerade „Lost in Translation“ von Sofia Coppola gesehen – zwei Mal. Einmal in der Gruppe – unmöglich – einmal allein.

„Lost in Translation“ lebt von den Dialogen. Keine Chance, irgendwie mitzukommen, wenn man zu viert vor der Flimmerkiste sitzt – irgendjemand quatscht immer, und schon fehlen einem entscheidende Worte.

Als die Session sich auflöste – zwei fanden die Sache langweilig – sicherte ich mir die DVD und schaute sie allein noch einmal an.

Mir ist völlig unklar, wieso auf der Hülle „Die Komödie des Jahres“ steht. Nie im Leben ist das eine Komödie!
Ich würde Coppola Juniors Werk als Drama einordnen. Und was für ein exzellentes Drama! Die Grundkonstellation ähnelt der von „Before Sunrise“, nur ist „Lost in Translation“ feinsinnig, wo „Before Sunrise“ eitel ist, echt statt aufgesetzt, geschmackvoll statt gewöhnlich. (An dieser Stelle eine Entschuldigung an die Fans von „Before Sunrise“ – über Geschmack kann man nicht streiten.)

Schade, dass es so lange Jahre gedauert hat, bis ich diesen Film nachholen konnte, nachdem ich ihn im Kino versäumt habe, schade, dass ich die DVD zurückgeben muss. Aber schön zu sehen, was für eine scharfe Beobachterin und geschickte Künstlerin aus der kleinen Coppola geworden ist.

„Kleine Coppola“?

Ich weiß, sie ist älter als ich. Aber trotzdem bin ich mit Francis Ford aufgewachsen, und sie war so unschuldig und jung im Paten III, und so muss sie die „kleine“ bleiben, selbst wenn sie 80 Jahre alt wird.
Ändert ja nichts an meiner Wertschätzung: Ich verneige mich vor ihr und ihrem Werk, und ich schüttle traurig den Kopf über jene, die „Lost in Translation“ damals verrissen haben. Habt ihr ihn euch überhaupt angesehen? Habt ihr ihn euch in Ruhe angesehen?

Versucht es. Es lohnt sich.

32

25/10/2007 § Hinterlasse einen Kommentar

32 Jahre hat Charles Chadwick an seinem Debutroman geschrieben. Ich nehme an, mit Unterbrechungen.

null

„Ein unauffälliger Mann“ heißt das Buch, das dabei entstanden ist. Eine so lange Arbeitszeit macht natürlich neugierig: Waren es das Leben und seine Wirrnisse, die Chadwick davon abgehalten haben, früher fertig zu werden? Ist der Mann ein extremer Perfektionist? Und vor allem: Was ist daraus geworden?

Man möge mich nicht darauf festnageln, aber ich glaube, 16 Jahre hat James Joyce an „Finnegans Wake“ geschrieben. Das Ergebnis ist unlesbar. (Ich hab’s wirklich versucht!)

Ich werde jedenfalls nach dem „unauffälligen Mann“ Ausschau halten und es nicht versäumen, heineinzublättern, um zu erfahren, ob sich die 32 Jahre – abseits der künstlerischen Befriedigung für den Schreiber – gelohnt haben.

Wo bin ich?

Du siehst dir momentan die Archive für Oktober, 2007 auf misoskop an.