Mut

24/09/2007 § Hinterlasse einen Kommentar

Der iranische Präsident Ahmedinejad traut sich was. Eine Reise in die USA. Und dabei ist er der Mann, der nach einem Angriff der USA auf den Iran als erster als „Kriegsverbrecher“ aufgehängt würde.

„Ahmadinejad hatte mit seiner Absicht, einen Kranz für die Opfer der Anschläge des 11. Septembers 2001 am Ground Zero niederlegen zu dürfen einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Dies wurde unter Hinweis auf Sicherheitsgründe abgelehnt.

Am heutigen Montag will Ahmadinejad vor Studenten der Columbia University sprechen und sich auch Fragen der Studenten stellen. Die Universität lehnte Forderungen nach einer Ausladung des iranischen Präsidenten mit Hinweis auf die Redefreiheit ab. Ahmadinejad hat, in international scharf kritisierten Reden, die Zerstörung Israels gefordert und den Holocaust als Märchen bezeichnet.“

In so einem Klima, wie es der Kurier beschreibt, würde ich mich an seiner Stelle nicht den Studenten stellen. Wer weiß, knallt ihn womöglich einer ab und fühlt sich dann als großer Held.

Rabiatgackerl

21/09/2007 § Hinterlasse einen Kommentar

Süßer Aufruf: Nimm ein Sackerl für mein GackerlEntweder neigen die Hundebesitzer selbst zu Tobsuchtsanfällen, wenn sie ihre kleinen Lieblinge äußerln führen, oder unter ihren Sympathisanten befindet sich ein harter Kern von Rowdys.

Tatsache ist jedenfalls: Nur einen Tag nachdem das Stadtgartenamt Wiens Wiesen mit Plastikschildern geflutet hat – nicht weniger als 30.000 treuherzige Hunde, die auf das Gackerl-Sackerl hinweisen – gibt es schon herbe Verluste.

Rowdies (Absichtlich mit ie, o ihr Duden-Freunde!)

Von auf einer speziellen Wiese auf meinem Arbeitsweg aufgestellten (Na, wie viele „aufs“ bringt ihr in einem Satz zusammen?) 10 Schildern haben unbekannte Rowdies über Nacht sieben mitgenommen oder sonstwie verschwinden lassen. Von den übrigen drei sind zwei niedergetrampelt und geknickt.

Ist es die schiere Lust an sinnloser Zerstörung, die diese Menschen antreibt? Oder ist’s Mitleid mit den armen, verfolgten Hundefreunden? Sind es gar 70-jährige Pudelmamis selbst, die von den Dackelaugen des Plastikschilds zur Weißglut und in den Blutrausch getrieben werden?

Die Wahrheit ist irgendwo da draußen.
So wie die verschwundenen Schilder.

Minarette

17/09/2007 § Hinterlasse einen Kommentar

Eine Verzichtserklärung auf Minarette soll die moslemische Gemeinde in Wien unterschreiben, wenn es nach den Rechten geht. Geht’s dümmer? Denn Bravo: Das wird „den Radikalen“ ja ganz sicher den Wind aus den Segeln nehmen…

Die Presse schreibt am Wochenende unter dem Titel „Fremd in der westlichen Gesellschaft“ andeutungsweise über Hintergründe des Sex-Appeals von Osama & Co. Andeutungsweise, aber überzeugend, wie ich meine.

Denn seien wir uns ehrlich: Falsch liegen „jugendliche Muslime“ sicher nicht, wenn sie sich „in der europäischen Gesellschaft nicht angenommen fühlen.“

Objekte und Ikonen

Keiner kann sie einfach akzeptieren: Für die Rechten sind sie Hass-Objekt, für die Linken Ikonen der schützenswerten Andersartigkeit. Der Mensch dazwischen geht unter.

„Bei Untersuchungen in Großbritannien hat sich zudem gezeigt, dass junge, radikale Muslime sehr sensible Persönlichkeiten sind, die mit der Gesellschaft und damit, wie sie von jener behandelt werden, nicht zurechtkommen.“

Parallelen

Da werden Erinnerungen wach. Auf der Uni damals, rund um 1996, habe auch ich zu einer stets in der Defensive befindlichen, allerorten mit Schuldzuweisungen verfolgten Gruppe gehört: Nämlich zu den weißen, heterosexuellen Männern.

Ich kann von mir behaupten, Frauenrechten durchaus nicht ablehnend gegenüberzustehen. Das war allerdings stets anders, wenn ich gerade aus einer Lehrveranstaltung taumeln musste, in der man mir die Schuld und Bosheit des gesamten männlichen Geschlechts um die Ohren geschlagen hatte.
Irgendwie weiß man ja: Das ist jetzt unfair. Ich kann nichts dafür. Aber mit denen, die doch etwas dafür können, gemeinsam an den Pranger gestellt zu werden, das verbindet. Das schweißt zusammen, die am Pranger gegen die da draußen.

Ballverlust?

16/09/2007 § Hinterlasse einen Kommentar

Nicht nur im Rugby droht den Franzosen ein früher Ballverlust. Auch in der Außenpolitik hält Nicolas Sarkozy das Ei ziemlich lose in der Hand. Um sich als Person zu profilieren, bedroht er nun wichtige französische Interessen – im Iran.

Als ob es nicht schon genug wäre, dass Frankreich in der Ära Chirac viel Boden in Afrika verloren hat. Dort war der Nutznieser Amerika, das überall als Mineneigner und Waffenlieferant eingestiegen ist, wo die Gegner der von Frankreich favorisierten Machthaber ihre Pfründe verloren haben.

Schwere Schläge.

Und nun will Sarkozy sich als West-Hardliner betätigen, wahrscheinlich, um Image in den USA zu gewinnen und Frankreich in der EU als Außenpolitik-Rädelsführer zu positionieren.

Dass er sich dafür gerade den Iran als Spielfeld aussucht, ist vielleicht nicht wahnsinnig glücklich. Dort gehören die Förderrechte zu einem guten Teil Franzosen. Auch wenn sie im Fall einer heftigen Krise wohl kaum den Amerikanern abgetreten werden würden, gibt es doch genügend andere „Player“, die sich darum reißen würden, etwa in China.

Keine gute Idee also, großmächtig gegen die Mullahs zu wettern.

Oder weiß Sarkozy etwas, was wir nicht wissen? Muss er sich jetzt sofort und rasch als US-Freund präsentieren, damit nach einem akut anstehenden Dekapitationsschlag gegen Teheran nicht Halliburton statt Total und Gaz de France an Persiens Südküste den Ton angibt?

Politologenehre

14/09/2007 § Hinterlasse einen Kommentar

Freitagabend – die neuen Wochenendzeitungen sind schon gedruckt. Höchste Eisenbahn, noch rasch die Presse vom vorigen Samstag zu kommentieren, die insofern bemerkenswert war, als sie ein Mitglied meiner Familie schockiert hat.

Sicher, sie war auch bemerkenswert, weil ein Mensch wie KHM-Direktor Seipel darin eine Plattform gefunden hat, sich selbst und seine Denke schamlos vor aller Welt offenzulegen und mit eigenen Worten zu beweisen, dass alles, was man stets über ihn denkt, noch hinter dem zurückbleibt, was in Wahrheit mit ihm los ist.
Aber lassen wir Seipel Seipel sein – um ihn müssen wir uns ja keine Sorgen machen, der hat’s geschafft.

Kommen wir zurück zu einem ungenannt bleiben wollenden Familienmitglied, das sich über einen Kommentar, einen Gastkommentar, auf Seite 41 ereifert hat. Stephan Grigat heißt der Verfasser, und laut Fußtext ist er nicht nur Politologe, sondern sogar Lehrbeauftragter am Institut für Politikwissenschaft in der Universität Wien.

Seiner Zunft macht er aber (wie so viele Politologen) laut jenem Verwandten, der es wissen muss, keine Ehre. Im Gegenteil! Unter dem Titel „Die iranische Bedrohung“ legt er des Langen und Breiten klar, dass der Iran „mit allen Mitteln“ an der Entwicklung von Nuklearwaffen gehindert werden muss. „Mit allen Mitteln“ heißt für Grigat: mit Gewalt.

Warum?

Es drohe ansonsten eine zweite Shoah. Punkt.

Wissenschaft

Das ist nun mal ein Kommentar, da darf man seine Meinung schreiben, wie auch immer sie aussieht – dachte ich!
Doch mein Verwandter, die zusammengefaltete Zeitung mit zitternden Händen auf dem Tisch glättend, belehrt mich eines Besseren.

Ein Mensch, der einfach so eine Meinung zum Besten gibt, dürfe das ruhig tun, solange er sich nur Stephan Grigat nennt oder meinetwegen Doktor, Magister, Schreiber oder Pfaffe.
Es ginge aber nicht an, dass er sich hinter einem Lehrauftrag am IPW verschanze und seiner persönlichen, privaten und noch dazu unausgegorenen Meinung damit den Anschein der Wissenschaftlichkeit verleihe. Grigat sei ein Verräter an der Politikwissenschaft, höre ich da murmeln, er bringe alle, die einen entsprechenden Abschluss hätten, durch seine fatale Unwissenschaftlichkeit in Verruf. Wo doch der Titel „Politologe“ auch ohne diesen Bärendienst permanent scheel angesehen werde.

Was ist denn nun das Problem an dem Artikel? Was ist denn da so unwissenschaftlich?

Die Polemik, die bewusste Lüge durch Auslassung und die Einseitigkeit.

Da steht zum Beispiel, ohne Begründung, „ein Ende der syrischen Terrorunterstützung – für die Baath-Faschisten in Damaskus ein Horrorszenario“.
Die Baath-Partei sei eine politische Partei, die Faschisten hätten mit diesen nichts zu tun. Grigat versuche hier einfach, Syrien und Hitlerdeutschland zur Deckung zu bringen.

Stimmt.

Knapp davor die Lüge: Die Beseitigung der Grenzstreitigkeiten scheitere an der Baath-Partei, weil diese ihre Herrschaft gefährdet sehe. Die Grenzstreitigkeiten bestünden in nichts anderem als in der Tatsache, dass die Golanhöhen von Israel besetzt seien. Syrien könne die Beseitigung dieser Tatsache gar nicht verhindern, im Gegenteil fordere Damaskus genau das ohne Unterlass. Die Umsetzung liege einseitig in israelischer Hand.

Stimmt auch.

In Israel gibt es mehr als genug Leute, die den Sinn der Besetzung der Golanhöhen nicht erkennen können, es sei denn als Symbol, denn einen militärischen Vorteil bringt der Besitz der Region nicht (mehr).

Die Einseitigkeit ziehe sich schließlich durch den ganzen Kommentar.
Ein Beispiel: Unter dem Zwischentitel „Verhinderung einer zweiten Shoah“ werde lange darüber monologisiert, dass der Iran eine A-Bombe nicht einmal einsetzen müsse – Israels Verteidigung sei obsolet durch die Existenz der Bombe. Ohne einen einzigen Schuss könne eine Entvölkerung Israel erreicht werden.
Doch was ist mit den israelischen Atomwaffen? Israel verfügt über Zweitschlagkapazität, dank der U-Boot-Waffe. Was ist mit einem Atomwaffen-Patt? Und hat der Besitz von Atomwaffen durch die Israelis etwa die Rebellion der Palästinenser obsolet gemacht? Kaum.
Oder ist Grigat der einzige Mensch auf der Erde, der Israels Atomwaffenpotenzial bezweifelt? Jedenfalls verschweigt er es einfach, Israel wird als hilfloses Ziel gezeichnet. Ganz abgesehen davon, dass die Palästinenser für eine Verwandlung ihrer Heimat in eine radioaktive Todeszone nicht immens dankbar wären.

Zweites – und letztes – Beispiel: Die Schlussfolgerung. Grigat sieht nur zwei und auf keinen Fall mehr Lösungen für das Nahost-Dilemma.
Lösung Nummer 1: Der Iran wird in die „konsequente politische Isolation“ getrieben. (Weil man ja aus der Geschichte weiß, dass Frieden immer dann ausbricht, wenn die Leute nicht mehr miteinander reden…)
Lösung Nummer 2: Der Iran wird durch „gezielte und wiederholte Militärschläge“ niedergehalten. (Weil tote Iraner durchaus eine gute Sache sind, während tote Israelis eine Katastrophe darstellen.)

Mein Verwandter hält Grigat für einen schlechten Politologen.
Ich halte ihn nach der genauen Lektüre dieser Argumentation ganz einfach für einen Rassisten. Nur halt einen, der Über- und Untermenschen anders verortet als die so genannten „typischen“ Rassisten.

Rugby

08/09/2007 § Hinterlasse einen Kommentar

In Frankreich hat gestern das erste von 48 Spielen der sechsten Rugby-WM den grünen Rasen aufgerissen. Ein weltweit beliebter Kampf ums Eierlaberl, aber ohne die Ritterrüstung der American Football Cracks. Und quasi ohne die Österreicher.

Einer der Favoriten ist Neuseeland, Österreich hat – wie im Fußball – kein Leiberl. Um den Standard zu zitieren: „Und Österreich? Das Nationalteam kämpft zurzeit in der dritten Leistungsstufe der EM-Qualifikation um den Klassenerhalt.“

Der Ball ist rund – oder lang

Es ist also anscheinend nicht nur, wie gelegentlich vermutet, die runde Form des Leders, die uns Österreicher bei allem, wo ein Ball getreten wird, zu Totalversagern macht.

Oder liegt unser makabres Abschneiden auch beim Rugby, diesem laut Autor und Ex-Spieler Lloyd Jones so demokratischen Spiel, wie im Fußball an der miserablen Jugendarbeit und der geringen Bereitschaft, neben einzelnen Stars auch andere Teammitglieder glänzen zu lassen?

Wir Österreicher ignorieren ja nur allzu gern, dass wir auch in unserem so genannten „Nationalsport“ international nicht mehr als eine Lachnummer sind, wenn auch eine, deren Witz sich im Lauf der Jahre etwas abgenutzt hat. Wir sind eine Nation, die ihr fußballerisches Selbstvertrauen bis heute aus einer einzigen Begegnung zieht – einem Spiel, das am 21.6.1978 gespielt wurde – und ansonsten Niederlage um Niederlage mit verbissener Entschlossenheit verdrängt.

The Name of the Game: Football

Warum ist all das beim American Football so anders? Warum sind Wien und Graz Europahauptstädte, sobald Touchdowns und Field Goals zu erzielen sind, und letztklassige Kaffs, wenn Tore geschossen werden sollen? Warum kommt man beim American Football in Europa nicht an den Österreichern vorbei?

Die Antwort können mit letzter Sicherheit wohl nicht einmal die Vienna Vikings und die Graz Giants geben, geschweige denn die überheblichen Möchtegern-Stars unseres Fußball-Nationalteams.

Die Antwort erfahren wir vielleicht, wenn wir unserem Rugby-Team ein wenig mehr Aufmerksamkeit zollen, wenn wir seine Spiele übertragen und dem Sport eine Chance geben.

Denn vielleicht liegt’s ja doch am Ball.

Achsbruch

03/09/2007 § Hinterlasse einen Kommentar

Zeitungsausschnitt: Die Presse Online

Wie man in der Presse lesen kann: Auch eine große Liebe ist nicht vor einem Zerwürfnis gefeit. Kaum ist der „Pudel“ aus dem Haus, zieht „John Bull“ seine Mannen aus dem Feuer ab.

Nun, die Amerikaner werden das Kind auch alleine schaukeln. Aber es bleibt sicher ein bitterer Geschmack auf der Washingtoner Zunge zurück, wann immer die republikanischen Falken an ihre „europäischen Verbündeten“ denken.

Kommentare

protoper schrieb:

„Nun, die Amerikaner werden das Kind auch alleine schaukeln.“: seltsam, die Amerikaner haben aber seit 1945 jeden Krieg (ausser bedingt Kuwait) verloren.
Donnerstag, 13. September 16:21

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