Anspruch

29/07/2007 § Hinterlasse einen Kommentar

Im Radio: Eine Aussage, in der ich mich wiederfinde. Man darf der „Masse“ Anspruchsvolles zumuten. Wer sein Publikum für blöd hält, verliert es.

Jedes Medium hat das Publikum, das es verdient.

Der Chef der Salzburger Festspiele erklärte auf Ö1, warum er nicht den Eindruck hat, er müsste für die „gewöhnlichen“ Menschen den Anspruch des Programmes herunterschrauben.

Der Gedanke, dass die Menge der Leute zu dumm sei und daher nur Seichtes serviert bekommen solle, sei falsch. Das erkenne man an den Fernsehsendern, die glauben, sie wüssten, was das Publikum will, nämlich niveaulosen Unsinn – und denen dann die Seher wegbrechen.

Was auf den ORF gemünzt war, betrifft aber auch die anderen Fernsehsender und auch die Online-Medien.
Jeder versucht, anspruchsloses Programm zu bieten, alle drängen nach dem Einfachen, dem Billigen, dem Verkürzten und Gedankenlosen – Bilder statt Texte, Promis statt Nachrichten, Tiere statt Themen.

Aber der Standard macht das nicht (oder nicht in dem Ausmaß) – und dem geht’s doch nicht so schlecht, oder?
Ich verfolge die Zugriffszahlen auf Online-Portale nicht genug, um das mit großer Sicherheit sagen zu können, aber ich denke, das Segment der Niveaulosen, das sein Niveau immer weiter senkt und senkt und nichts mehr hat, in dem es sich abhebt vom Sumpf, kämpft trotz Niveaulosigkeit oder wegen Niveaulosigkeit mit einem gewissen Nutzermangel.

Je weiter das Niveau sinkt, desto mehr brechen die „oberen“ Schichten weg, während die „unteren“ zwar noch da sind, aber keine herausragenden Besonderheiten am Angebot schätzen (können!), weil keine da sind.

Beim Fernsehen bleibend: MTV macht das. MTV hat die teure Musik rausgeschmissen und bringt nur Proleten, die in Nuttenschaukeln herumfahren und versuchen, bei irgendwelchen Schlampen zu landen. Und ich kenne niemanden, der heute noch MTV schauen würde. Abgesehen von zwei Faulen, die sich nicht überwinden können, wegzuschalten, obwohl sie genervt sind.

Bei Ö3 gibt es ein ähnliches Phänomen: Jeder dreht ihn auf, weil er die Verkehrsnachrichten hören will, und jeder ärgert sich darüber, dass jede Stunde die gleichen zehn Top-Lieder gespielt werden, bis zum Erbrechen. Die Leute sind nur zu faul, umzuschalten, wenn die Verkehrsnachrichten vorbei sind.

Ein Bedürfnis nach seichtem Schwachsinn ist gewiss vorhanden, keine Frage. Aber es gibt nicht NUR das Bedürfnis nach seichtem Schwachsinn. Auch der echte Inhalt hat einen Markt.

Ich wünschte nur, er würde sich stärker zu Wort melden.

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