Schulbücher

27/07/2007 § Hinterlasse einen Kommentar

In Israel wird über Schulbücher gestritten: In den von Tel Aviv abgesegneten Lernbehelfen für Araber werden Zweifel am offiziellen Dogma der Staatsgründung angedeutet; in den hebräischen Varianten (noch) nicht.

FAZ-Beitrag
Jerusalem Post Beitrag
Und
Ein ähnlich gelagerter Beitrag in Ha’aretz zu einem verwandten Thema, der unter anderem durch die im Anhang stattfindende Debatte der User interessant ist.

„Arabischen Gefühlen Raum geben“
„Jüdische Kinder nicht überfordern“

Man will die jüdischen Schüler nicht mit zwei Versionen derselben Geschichte „überfordern“ heißt es als Begründung, warum nur die arabischen Kinder (denen die zweite Version bereits von zuhause bekannt ist) mit beiden Varianten vertraut gemacht werden – mit der heldischen, blütenreinen und mit der anderen.

In Wirklichkeit wissen die Herausgeber natürlich genau, dass jüdische Kinder von zwei Versionen einer Geschichte in Wahrheit so wenig „überfordert“ werden wie etwa Scheidungskinder, die ihren Vater besuchen dürfen, in Wahrheit nicht „verwirrt“ werden.
Im zweiten Fall eine Schutzbehauptung der Mutter, die mit ihrem Ex abrechnen und ihn fertigmachen will, im ersten eine Schutzbehauptung des Ministeriums, das wahrscheinlich vermeiden will, dass erboste Likud-Wähler und Orthodoxe ihre Kinder en masse von den staatlichen Schulen abmelden.
(Schicken Orthodoxe ihre Kinder überhaupt auf staatliche Schulen? Ich weiß nicht.)

Auch so ist der Zorn natürlich enorm; kein Wunder, hat man doch jahrzehntelang weltweit gemauert und geklagt, um nur ja keinen Zweifel daran aufkommen zu lassen, dass jeder einzelne jüdische Siedler in Palästina in Judäa und Samaria im gelobten Land ein ehrlicher, aufrechter Held ohne Fehl und Tadel war. Ohne Ausnahme.

(Was natürlich auch wahr ist, wie ich hier aus rechtlichen Gründen nicht unerwähnt lassen will!)

Auch wenn die Jerusalem Post beruhigt: „Education Minister Yuli Tamir’s decision to allow Arab schools to use a textbook that refers to the War of Independence as the Palestinian nakba (catastrophe) is little more than symbolic. New textbooks aren’t printed and distributed overnight, especially not in the cash-strapped Arab school system, so the new book probably won’t be ready for the coming school year.By the following year, there will probably be a new education minister who will overturn Tamir’s decision.“

Es ist trotzdem ein Schritt auf dem Weg zu einer demokratischen Normalität, möchte ich meinen. Zweifel müssen erlaubt sein – Zumindest in China, in Russland, in Österreich, in den USA – ob in Israel, das müssen die Israelis wohl für sich entscheiden.

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