Lahm

27/10/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Besucherrekorde und tolles Programm bei der Heeres-Schau anlässlich des Nationalfeiertags am Heldenplatz? Ich habe etwas anderes gesehen.

Die ewig gleichen Hubschrauber, die ewig gleichen Draken, die ewig gleichen Panzer: Das Bundesheer lässt sich für seine „Leistungsschauen“ nicht wirklich etwas Neues einfallen.

Sicher – den armen, kleinen Soldaten ist kein Vorwurf zu machen. Es ist sicher nicht lustig, sich endlos im unbeständigen Herbstwetter auf diese Schau vorzubereiten, immer die nervenden Unteroffiziere im Nacken.

Aber den oberen Rängen möchte ich ins Stammbuch schreiben: Etwas Neues wäre einmal angebracht.

Immerhin das Parlament war ganz spannend – oder wäre es gewesen, wenn man es nicht schon allzu oft gesehen hätte. Aber da bin ich ja wohl ein Ausnahmefall, hier sollte ich mich also mit Kritik zurückhalten.

Beweislast

24/10/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Ein neues Gesetz in Australien – aus typischer Anlass-Gesetzgebung geboren – kehrt die Beweislast um.
Nachzulesen in der Presse

Kurz gefasst: Wenn Eltern im Verdacht stehen, sie könnten für ihre Kinder eine Gefahr darstellen, (es geht nicht ganz klar hervor, inwieweit es um Kindesmissbrauch geht und inwieweit um andere Gefahren) werden ihnen die Kinder vorerst mal weggenommen. Wenn die Eltern schließlich „beweisen“ können, dass für die Kinder kein Risiko mehr besteht bei ihnen, dann bekommen sie diese zurück.

Historische Präzedenzfälle

Der Ansatz hat ja auch schon bei den Hexenprozessen gut funktioniert: Beweise, dass du nicht zaubern kannst. Wenn du das nicht kannst, bist du überführt und wirst verbrannt.

Heute haben wir in Europa kein Hexenproblem. Die Vorgehensweise war also erfolgreich.

Spannend wird, wenn das erste Elternpaar es schafft, tatsächlich zu beweisen, dass für Kinder im Haushalt kein Risiko besteht. Da würde mich nämlich die Beweisführung sehr interessieren. Kann man sicher immer mal brauchen, eine Idee, wie man etwas nicht Vorhandenes beweist.

Mehr Möglichkeiten

Übrigens auch eine gute Idee für Amerika und den Krieg gegen Terror: Beweise, dass du keine Gefahr für die Nationale Sicherheit der USA darstellst.
Kannst du nicht? Stromstöße. Giftspritze. Gaskammer.

Clash

23/10/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Der Westen hat Glaubwürdigkeit verloren. Der Orient freut sich über jede okzidentalische Schwäche. Wen wundert’s?

Ob am Pazifik, im Nahen und Mittleren Osten oder in Lateinamerika – überall schwindet westlicher Einfluss, drohen westlich geführte Ordnungsfeldzüge zu scheitern, scheren sich Diktatoren und Radikalpopulisten nicht mehr um die Meinung aus Washington oder Brüssel.

Quelle: Zeit.

Nicht nur die. Warum soll man sich auch um die Meinung von fetten Geldsäcken kümmern, denen der eigene Telekommunikations-Aktienkurs wichtiger ist als das Leben der Gesamtbevölkerung eines beliebigen Dritte-Welt-Staats?

Seien wir ehrlich: Niemand aus Washington oder Brüssel – oder Wien – ist ein „Freund“ eines armen Landes.

Arme Länder haben billige Arbeitskraft zu liefern, Atommüll zu lagern und ähnliche Drecksarbeit zu erledigen.

Je länger der Krieg gegen die Taliban sich hinzieht, je mehr Afghanen sich über die in ihren Medien verbreiteten westlichen Despektierlichkeiten erregen, je mehr westliche Soldaten im ungleichen Kampf an Glaubwürdigkeit verlieren, desto weniger Aussichten bestehen, Afghanistan zu stabilisieren.

Stabilisieren? Hieß es nicht als einer von mehreren Gründen, warum die Taliban wegmüssten, dass Afghanistan über 95% der Welt-Heroin-Menge produziert?
Afghanistan hat nun schon viele Jahre eine neue Regierung, westliche Staaten sind militärisch präsent.
An der Heroinproduktion hat das nichts geändert.

Der Grund ist aber nicht, dass die Anbaugebiete so schwierig zu erreichen oder gar zu finden wären. Afghanistan ist über weite Strecken ein durchaus offenes Land.

Aber es sind weder die Taliban noch andere Afghanen, die sich an Heroin eine goldene Nase verdienen. Es sind Europäer. Und die „Staatengemeinschaft“ beschränkt sich darauf, Kabul, eine Handvoll Städte und Transportwege zu kontrollieren. Mehr ist nicht nötig.

Mehr wäre nur nötig, wenn man wirklich das Wohl von Afghanistan im Auge hätte.

Datendiebe

20/10/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Der Big-Brother-Award „ehrt“ Firmen, die exzellent ausspionieren – ihre Mitarbeiter, ihre Kunden, die Konkurrenz. In der Zeit steht ein lesenswerter Artikel dazu.

Besonders nervtötend ist jene Folge der Datensammelei, die (fast) jedem von uns endlose Ströme von Spam-E-Mails beschert. Wobei sich hier die Datensammlung eindeutig rein auf das Raffen von E-Mail-Adressen beschränkt, denn von Zielgruppenwerbung ist nichts zu bemerken, wenn die Gesamtbevölkerung zwischen 6 und 110 Jahren, männlich wie weiblich, mit „VIa8r A“-Werbungen und ähnlichem Müll überhäuft wird.

Die E-Mail-Adresse auf einer Homepage anzugeben reicht meist schon, um sie für einen Robot auffindbar zu machen – dann wird das wertvolle Datenpaket weiterverkauft oder geklaut – jedenfalls verbreitet es sich, und bald darauf bekommt man die absurdesten Werbungen aus aller Welt – von Nigerianern, die einem mehrere Milliarden Euro schenken möchten über Viagra bis hin zu günstigen Krediten in Nebraska und irgendwelchen Carols oder Natalies, die sicher sein wollen, einen zuletzt in ihrer Kirche gesehen zu haben und nun eine heiße Nacht mit einem verbringen wollen.

Gefährlicher als das ist es, seine Kreditkartennummer anzugeben. Grund genug, gar keine Kreditkarte zu benutzen, zumindest nicht online. Damit kann man dann zwar manche Dinge nicht kaufen, aber dafür erlebt man auch keine unliebsamen Überraschungen bei den Kontobewegungen.

Schweden

17/10/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

In Schweden ist die neue Kultur-Ministerin Cecilia Stegö Chilò zurückgetreten – weil sie ein paar Jahre keine Rundfunkgebühren gezahlt hat.

Traurig, wenn so gute Menschen aus der Politik ausscheiden, während Steuerhinterzieher, Schwarzarbeit-Beansprucher und andere Wirtschaftskriminelle in anderen Ländern – so zum Beispiel hier in Mitteleuropa (ich will da gar keine Namen nennen, die kennt ohnehin jeder hier bei uns) – ohne einen Anflug von Schuldgefühlen im Amt bleiben und sogar völlig sinnlos lautstark vermelden, dass sie durchaus für eine weitere Amtsperiode zur Verfügung stehen würden – auch wenn sie von der Partei, die bei der Wahl am meisten Stimmen abgeholt hat, nicht einmal ansatzweise gewollt werden.

Sex-Übergriffe / Schwarz-Fernsehen

Noch weiter geht der Spaß offenbar in Israel.
Staatspräsident Katzav wird jetzt sogar von der (in Israel weitgehend unabhängigen) Justiz geklagt, zahllose Politiker verschiedenster Lager wollen seinen Rücktritt. Die Vorwürfe wiegen schwer: Sexuelle Belästigung/Nötigung bis Vergewaltigung.

Nun, auf der Basis des Halbwissens aus zweiter Hand, das ich über die Zustände in israelischen Staatsapparaten besitze, und ohne den Einzelfall zu kennen, wage ich einmal, den Vergewaltigungsvorwurf zu ignorieren. Es kann natürlich sein, dass die Sache stimmt ? aber: Das haben israelische Autoritätspersonen im Prinzip gar nicht nötig, bei der Menge an jungen Wehrdienst-Leisterinnen, die überall Schreibarbeiten nachgehen und nicht zu selten auch durchaus überzeugbar sind, wie man hört.

Und genau hierauf baue ich auch meine Überzeugung, dass der Vorwurf der sexuellen Belästigung (und Nötigung) mit ziemlicher Sicherheit richtig ist.

Trotzdem wehrt sich der Mann hartnäckig dagegen, zurückzutreten.

Da muss man um den Verlust so geradliniger und aufrechter Menschen wie Chilò weinen.

—-

Nachsatz:
Ein Posting vom Standard:

missjaneausten
17.10.2006 09:02
Re: abgesehen
Nach zeitgeistiger Rechtssprechung ist es aber so, dass eine Vergewaltigung milder bestraft wird als das Zerkratzen eines Mercedes! Eigentum ist immer noch mehr wert als körperliche Unversehrtheit!

Da hat die Posterin völlig Recht. Das ist bei uns ziemlich schräg.

Alter

06/10/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Das Alter macht vielen Menschen schwer zu schaffen. Besonders hart dürfte es Pornostars treffen.

Die Schaffraths und Busters dieser Welt beginnen Hörbücher zu besprechen, zu klagen und zu malen …

… manche gehen zwischen Kalifornien, Tschechien und Italien in die Politik – während ihre Plätze in dem Biz, das sie „groß“ gemacht hat, von anderen besetzt werden: Von jungen Jana Covas und Konsorten.

Ein Job, der das Altern noch weniger verzeiht als andere – wo die Banken und die Gastronomie schon nicht sehr geduldig mit der Generation 50+ umgehen.

Kommentar:

neelaa schrieb:
Besser Casanova als Jana Cova! *lach* Und ad Generation 50+: Du scheinst im Pornobiz wahrlich nicht up to date zu sein. *zwinker* Wenn Frauen im Blumenoutfit „gegossen“ werden und Opas den Schulmädchen „Süßes“ verabreichen und Omis…nein, das führ ich hier nicht aus…dann müssen wir nicht um unsere Mini-Pension bangen. Es gibt Bedarf! *tätschel*
Freitag, 06. Oktober 18:48

Generalsekretär

04/10/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Der streitbare Kofi Annan geht. Ban Ki Moon kommt. Ein Unbekannter, wie es auch Annan am Anfang war. Die Erwartungen sind niedrig.
Die Zeit analysiert den achten Generalsekretär der Vereinten Nationen.

Ban Ki Moon

Der „Neue“ aus Südkorea (die Tradition der UNO verlangte in jedem Fall dieses Mal einen Asiaten) ist 62 und kennt Wien – er war einmal hier Botschafter. Aber wir kennen ihn nicht. Wir können nur Schlüsse ziehen.

Kofi Annan hat es geschafft, einer faktisch „toten“ UNO (nach dem Debakel von Srebrenica) wieder ein Leben an der Herz-Lungen-Maschine zu ermöglichen. Um den Preis scharfer Konfrontationen. Mit der Stärke, es zu ertragen, unbeliebt zu werden.

Wird der Südkoreaner so stark sein?

Dass alle fünf ständigen Sicherheitsrats-Mitglieder dem Mann ohne Probleme ihr Votum geben lässt Dunkles erahnen. Ein Angepasster? Ein „Kantenloser“, wie die Zeit schreibt?

Einen guten Draht zu China zu haben, geht für einen Südkoreanischen Diplomaten an. Einen guten Draht zu den USA zu haben, das ist für einen Südkoreaner normal. Einen guten Draht zu China UND zu den USA? Das lässt den Verdacht von Gesichts- und Rückgratlosigkeit aufkommen.

Aber was soll’s?

2007 wird er – nach seiner zu erwartenden Wahl durch die Vollversammlung – sein Amt antreten. Warten wir’s ab. Schauen wir ihm zu. Wir werden sehen.

Wo bin ich?

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