Islamisten

07/09/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Ein sehr lesenswerter Artikel aus der Presse ruft in Erinnerung, dass nicht jeder Bartträger gleich ist.

Das Interview mit dem Islamwissenschaftler Stephan Rosiny kann der geneigte Leser sich hier zu Gemüte führen.

Nukleus: Osama bin Laden ist nicht der Irak, der Iran nicht der Libanon, die Hisbollah und die Hamas sind keine Kofferbomber in Deutschland und die England-Attentäter keine Korangelehrten aus Ägypten.

All jene, die unter dem Sammelbegriff „Islamisten“ in Bausch und Bogen verdammt und irgendwann von den Amerikanern getötet werden, sind so unterschiedlich wie Vorarlberger, Wiener und Kärntner Slowenen: Sie gehören irgendwie in eine Richtung, aber ihre Interessen sind grundverschieden.

Iran

Was mich besonders wurmt ist die ständig dümmer werdende Berichterstattung über den Iran. Da heißt es einmal, „Opposition stärken“, dann „Islamisten jagen“, dann „Atomschlag“, um die iranischen Bestrebungen, sich eine Atombombe zu sichern, zu bekämpfen.

Zuletzt hieß es „moderat“, man müsse dem Iran Wirtschaftsverträge bieten, wenn er mit der Suche nach dem Atom aufhört, und mit Embargo kontern, wenn er dies nicht tut.

Jeder dieser Ansätze geht am Ziel vorbei, besonders die Atomschlag-Idee, ist sie doch der Hauptgrund, warum irgend ein Staat nach Atomwaffen strebt: Weil andere ihn damit bedrohen.

Den Iran mit braven Jungs aus dem Mittelwesten oder Ghetto-Kids aus L.A. in Uniform zu erobern ist ein problematischeres Unterfangen als im Irak. Es würde schon irgendwann klappen, aber was dann?

Alle moslemischen Staaten erobern? Wie lange besetzt halten?

Abschreckung

Die Abschreckung funktioniert. Nordkorea will niemand angreifen, Syrien schon. Warum? Nordkorea hat „vielleicht“ die Bombe. Nur ein Stück! Und das reicht. Nordkorea ist sicher.

Syrien hat mit Sicherheit keine Bombe. Alle zwei Wochen denkt man in Washington darüber nach, Damaskus zu zerstören und das Umland braven Israelis zur Besiedlung und Bereinigung zu überlassen.

Der Irak hatte keine Atombombe. Er wurde erobert und ins Chaos gestürzt, heute sterben dort täglich mindestens 20 Menschen, aber es interessiert keinen. Unter der Diktatur waren es wahrscheinlich täglich 4. Es leben Freiheit und Demokratie.

Afghanistan wurde erobert. Pakistan nicht: Das wurde zum „Freund“ erklärt. Pakistan hat die Bombe.

Auf dem Libanon trampelt jeder herum. Der Libanon kann sich nicht wehren.

Abschreckung funktioniert.

Jeder halbwegs vernünftige Bewohner Asiens und Afrikas muss sich wünschen, dass sein Staat eine Atombombe besitzt. Nicht, um sie gegen irgendjemanden zu benutzen, sondern einfach, damit die GI’s nicht kommen. Damit die Europäer und Amerikaner mit einem reden, statt einen zu boykottieren und dann fertigzumachen.

Dog Eat Dog.

Völlig gleich, wer in Teheran am Ruder sitzt: Die Mullahs oder die Opposition. Wer auch nur ein Quentchen Intelligenz besitzt, muss weiter nach der Bombe streben.

Der Ausweg wäre es gewesen, schon früher nicht jeden so genannten „Kameltreiber“ mit Krieg und Tod zu bedrohen. Jetzt ist es dazu zu spät. Sollen sie die Bombe haben. Sie wird mir Stabilität bringen.
Trägerraketen sind ohnehin nicht so leicht zu beschaffen, und wer eine Bombe hat, nach langer Müh‘ und Plage, verschießt sie nicht leichtfertig.

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