Zahltag

30/09/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Wahltag ist Zahltag, heißt es. Morgen ist es so weit. Und langsam bemächtigt sich meiner eine gewisse … Spannung.

Alle Instinkte sagen mir, dass es die ÖVP einmal mehr schaffen wird, stärkste Partei zu werden und den Kanzler zu stellen.
Mein rationaler Verstand sagt mir, dass sie es auf jeden Fall schaffen wird, wieder in der Regierung vertreten zu sein – so oder so. Nicht umsonst ist Schüssel ein alter Profi auf dem politischen Gebiet, was man allein schon daran merkt, dass die Bünde einmal nicht permanent am Sessel ihres Obmanns sägen – ein Novum bei den „Schwarzen“.

In Bezug auf die FPÖ muss ich meine frühere Einschätzung, der Chef sei ein „Hanswurst“, zurückziehen. In seinen Chats und den TV-Konfrontationen hat er mich davon überzeugt, dass mir zwar seine Politik nicht gefällt (abseits der recht ansprechenden sozialen Komponenten), er persönlich aber ernst zu nehmen ist.

Dem BZÖ sag‘ ich schon mal leise Servus – wenn die es noch einmal schaffen, bin ich überrascht.

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Idomeneo

28/09/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Moderne Inszenierungen sind meistens Dreck. Nackte Menschen springen kreischend hin und her, im Hintergrund stehen ein paar Aluminiumleitern – das ist dann „Othello“, „Falstaff“ oder sonst irgend etwas. Aber trotzdem.

Der folgende Kommentar ist ein Muss zum Thema: Nicht in die Knie gehen.

Irgendwo gibt es eine Grenze zwischen dem Leben und dem Konglomerat „Sicherheit/Angst + Political Correctness“.

Dass wir da Probleme haben, wissen wir ja.

Demokratie

27/09/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Die Ungarn waren in der letzten Zeit ziemlich sauer. Inzwischen legt sich der Zorn – das übliche Vergessen dämpft die Wut. Aber die Frage ist: Warum waren die Leute eigentlich so wütend?

Premierminister Ferenc Gyurcsány hat einen schweren Fehler gemacht: Er hat die Wahrheit gesagt – ganz offen! Er hat schleißige Arbeit eingestanden, eigene Fehlleistungen bewußt gemacht und damit versucht, seine Mitstreiter aufzurütteln. Aber die Worte der Wahrheit fanden ihren Weg an die Ohren des Wahlvolkes.

Und dieses Wahlvolk hat ziemlich wütend reagiert. Autos angezündet, Fernsehstationen demoliert, Rücktritte gefordert. Schön blöd wäre man, würde man in der Situation zurücktreten! Wenn man gerade gelernt hätte, wie das Volk tickt!

Das Volk hat seine Politiker nicht gewählt, um mit unangenehmen Wahrheiten konfrontiert zu werden – sondern damit die sich Gedanken über Politik machen und man selber sein kleines Leben leben kann.

Das Volk will die Wahrheit nicht hören – und es wird damit auch nicht fertig. Es verzehrt sich danach, dass es jemand in die starken Arme nimmt und durch die dunklen Zeiten führt, es braucht so etwas wie einen König, der keine menschlichen Schwächen zeigt und Vertrauen einflößt, ohne einen zum Denken zu zwingen.

Deshalb ist die Monarchie vermutlich die „natürliche“ Staatsform für den Menschen.
Stars & Promis, Idole, Diktatoren, aber eben auch gewählte Politiker: Alles ein Ersatz für die blaublütigen Herren, die uns abhanden gekommen sind.

Unser Kanzler Schüssel hat das verstanden: Entweder er lügt uns an oder sagt lieber gar nichts. Er regt uns nicht unnötig auf. „Schweigekanzler“ heißt das in den Medien, und ist, wie man sieht, in Wirklichkeit ein Lob.

Der Mann hat seinen Macchiavelli gelesen und verstanden.
Gyurcsány hat diese Lektüre ausgelassen und musste nun auf die harte Tour lernen.

500.000

25/09/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

„Schlag den Raab“ – Was ist los mit diesem Sender? 500.000 Euro Preisgeld?

Mehr noch: Wenn der erste Kandidat scheitert, fließt das Geld in den Pott? Zwanzig Shows – wenn alle scheitern, bekommt der letzte Teilnehmer 10 Millionen Euro!

Und die Anrufer und SMSler können 5.000 Euro gewinnen! Der Gewinn-Overkill. Ich staune und staune.

Für 500.000 Euro würde ich jederzeit riskieren, was in der Werbung angedroht wird: „Blamiere dich, deine Freunde und alle, die dich kennen.“

Esther – die GOTT SEI DANK gewählt wurde (beinahe hätte das Publikum einen Malermeister hochgevotet, der nach erster Einschätzung von Stefan Raab in JEDER Disziplin, auch im Malen, problemlos geschlagen werden könnte) – machte einen guten Eindruck.

Leider versagte sie bei für eine Fußball-Hallen-Betreiberin so elementaren Bewerben wie Elferschießen derart, dass sie sich tatsächlich blamierte. Die Frau kann schließlich auch TaeKwonDo – da einen Ball jedes einzelne Mal so unpräzise und lasch anzuschneiden, das lässt einen bei einem Angriff in einer dunklen Garage prompt alles Geld auf den Vergewaltiger setzen statt auf die Schwarzgürtel-Trägerin.

Ich hätte ihr die 500.000 gerne gegönnt – sehr viel lieber als g’stopften Ärzten oder debilen Malern. Aber es sollte wohl nicht sein.

Fazit

Eine ausnahmsweise einmal wirklich gute Show, die sogar einen notorischen Show-Hasser wie mich in Erstaunen versetzte und bis Mitternacht vor die Glotze fesselte.

Glatteis

20/09/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Langsam wird es zur Gewohnheit, dass Politiker und Medien absichtlich aufs Glatteis geführt werden. Bedenklich.

Zuerst war es Peter Westenthaler, der mit einem gefälschten Brief herumwedelte – wir haben alle herzlich gelacht.

Jetzt ist es die Zeitschrift NEWS, die bei einem Interviewtermin von einer gespielten „Pflegekraft“ namens „Frau Maria“ mit Phantasie-Aussagen konfrontiert wurde.

Das ist kein Spaß mehr.

Westenthaler hätte nachfragen können, so wie es ja Strache auch getan hat – und schon hätte er gewusst, dass es sich bei dem Brief um eine Fälschung handelte.

NEWS war konfrontiert mit einer Frau, die von sich selbst behauptete, sie sei die Pflegerin der Schwiegermutter des Kanzlers gewesen. Die Geschichten erzählte aus dem Haushalt Schüssel.

So etwas ist nicht nachprüfbar. Der „Schweigekanzler“ antwortet ja schon nicht auf politische Fragen – um wieviel weniger gibt er da jemals Privates zu?

Die NEWS-Leute konnten die Geschichte nur glauben – oder es lassen. Natürlich haben sie es geglaubt: Das ist ihre Natur.

Bedenklich ist, mit welcher Unbeschwertheit jetzt mal eben Journalisten belogen werden. Gerade heute, wo jeder alles sofort wissen will, geht die Zeit, die früher zum Recherchieren verwendet wurde, verloren. Dazu kommen noch immer knappere Personalstände – noch weniger Recherchezeit. Wenn die wenigen, gestressten Schreiberlinge jetzt auch noch nach Lust und Laune mit Falschmeldungen bombardiert werden, worauf will man sich dann als Zeitungsleser noch verlassen?

Dann bleibt nur, jeweils Tage nach einer Meldung zur Kenntnis zu nehmen, dass sie falsch war.

Und generell gar nichts mehr zu glauben.

Models

19/09/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Ganz neue Töne aus Spanien: Models wurden gemessen, gewogen – und für zu leicht befunden…

Dieser Tage ist man eher gewohnt, dass die Dinge anders laufen – etwa so wie bei „Germanys Next Top Model“, wo eine Teilnehmerin als „zu dick“ weggeschickt wurde, obwohl sie untergewichtig war. Nur eben nicht untergewichtig genug.

In Spanien versucht man mutig die Trendwende: Von Kurven statt Hühnerbrust ist man zwar immer noch weit entfernt, wie die neuen Fotos beweisen. Aber die Models, die eine gewisse Mindest-Kilozahl abhängig von ihrer Körpergröße nicht auf die Waage brachten, wurden von der Teilnahme ausgeschlossen.

Wer weiß, wohin das noch führt?

Models haben ja bekanntlich lange Beine.

Religionsstreit

18/09/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Nach dem Herumgezetere wegen den Mohammend-Karrikaturen und dem Drama um die MTV-Papstserie nun der nächste Streich: Aufregung um Zitate, mit Todesopfer.

Der Papst hat zitiert – und die islamische Welt ist im Aufruhr. In Somalia wurde sogar eine Ordensschwester ermordet, wegen eines Zitats aus dem Jahr Schnee.

Aber so richtig schuld ist Benedikt nicht.
Denn er hat, wie der Standard schreibt, sich mit den Worten des byzantinischen Kaisers Manuel II. Palaeologos, wonach der Prophet Mohammed „nur Schlechtes und Inhumanes“ gebracht habe, natürlich nicht identifiziert. Und er hat ganz klar gesagt: Manuel schreibt: …

Das hat er auch später noch einmal klar hervorgehoben. Die Moslembrüder haben diese Klarstellung erst als ausreichend gewertet, dann doch als zu wenig.

Aber nicht nur das: Offizielle Stellungnahmen aus dem moslemischen Glaubenskreis ziehen nicht nur Vergleiche mit Adolf Hitlier – das disqualifiziert sich ja selbst als Schwachsinn – sondern sagen „Nicht der Islam, sondern das Christentum hat den Glauben mit dem Schwert verbreitet“. „Nicht“? Eine glatte Falschaussage, fehlen doch die entscheidenden Wörtchen „nur“ und „auch“: Nicht NUR der Islam, sondern AUCH das Christentum…

Aber solche Pitzligkeit würde den Demos auf den Straßen die Wucht nehmen. Die Fotos auf der Standard-Printausgabe vom Wochenende zeigen eine Menge von hohlgeistigen, stumpfäugigen Idioten, die mit vorgefertigten Plakaten grölend durch die Straßen ziehen und gegen „Mr. Pope“ demonstrieren – ohne wahrscheinlich auch nur zu ahnen, wer denn dieser „Mr. Pope“ sein könnte. Vor der Predigt am Freitag haben sie wahrscheinlich noch nie von ihm gehört.

Nun, genau so ging es ja auch bei uns zu: Von der Kanzel wurde gepredigt, und die Leute folgten. Im Mittelalter!

Freilich konnte damals keiner demonstrieren gehen, da hätte der Grundherr ein Wörtchen mitzureden gehabt, denn die Arbeit in Wald und Flur tat sich nicht von alleine.

Instrumentalisierung

Da plustern sich eine Handvoll Gockel auf, und Tausende Volltrottel hecheln ihnen nach. Schon haben wieder die Radikalen einen Pfeil im Köcher, auf beiden Seiten.

Und wenn die Attentatsdrohungen beim Türkei-Besuch auch noch wahr gemacht werden, dann ist es mit dem interkulturellen Dialog ohnehin vorbei. Dann dürfen wir uns brav hinter die Islam-Basher in den USA einreihen.

Wo bin ich?

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