Mandat

28/08/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Frankreich soll sich in Sachen Libanon blamiert haben, heißt es. Weil es auf ein stärkeres Mandat warten wollte. War doch richtig, oder?

Alle Welt drängelte und meinte: „Ihr müsst das Kommando übernehmen“. Klingt ja auch logisch, so als ehemalige Kolonialmacht, da ist man, eurozentristisch betrachtet, auch zuständig.

Aber eine UNO-Truppe ist nicht so etwas wie ein Zauberspruch. Das sind ein paar Leute mit blauen Helmen und schlechter Bewaffnung. Mit einer schlechten Bewaffnung, die sie meist nur zur Selbstverteidigung einsetzen dürfen, nachdem schon auf sie gefeuert wurde.

Ein unangenehmer Job.

Ebenfalls unangenehm: Sie zu kommandieren und nachher schuld zu sein, wenn zehn oder hundert von ihnen im Beka’a-Tal verrecken.
Nein, es ist kein Gesichtsverlust, wenn man da seine Verluste minimieren will, sondern Klugheit. Aber Klugheit hat in der Politik ja kurze Beine. Und so ist sie auch schnell gestrauchelt.

400 = 3 = Niemand

Die Welt wunderte sich, als Frankreich sich nur mit 400 Mann beteiligen wollte. 400 Mann, das ist hingespuckt. Das ist, als würde man gar niemanden schicken.

So wie die Slowakei mit ihren drei Mann. Kein Problem, da in den lokalen Zeitungen genaue Portraits der gesamten Truppe zu bringen.

2.000

Nun also doch 2.000 Franzosen. Es war Chirac zu peinlich, die verwunderten Blicke der anderen. Er hat seine Militärs gezwungen. Aber das Kommando geht an Italien. Meiner Meinung nach keine Blamage für Frankreich, sondern ein Glück.

Für die Italiener macht es keinen Unterschied: Deren Militärgeschichte ist ebenso ruhmreich wie die österreichische. Abessinien, Albanien, Libyen … Eine Niederlage mehr oder weniger ist da nicht so wichtig.

Mandat

Für eine UNO-Truppe ist das genau abgegrenzte Mandat das Um und Auf. Ohne zu wissen, was man darf und was nicht, wie weit man sich bewegen darf, was man alles still akzeptieren muss, kann man nicht einschätzen, nicht planen, nicht erfolgreich sein.

Wir erinnern uns an Jugoslawien?
Als Milizionäre die Pistole auf der Schulter eines UN-Soldaten auflegten, um den „Beschützten“ im Jeep zu erschießen, während der UN-Soldat murmelte: „Ich muss Sie dringend auffordern, diese Aktivitäten zu unterlassen!“ Als die UN-Schutzzonen der Reihe nach niedergewalzt wurden?

Genau dieses Schicksal wird die UNO-Truppe im Libanon erleiden, wenn sie kein „starkes“ Mandat erhält. Und das wird sie nicht, dafür werden gewisse Länder mit ständigem Sitz im Sicherheitsrat schon sorgen.

Viel Spaß an alle, die sich da beteiligen müssen.

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