Tod

07/08/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Dass in einem Land die Medien gleichgeschaltet und Spitzenposten mit Freunden und Verwandten besetzt werden, kann einen Österreicher nicht entsetzen. Doch Polen denkt auch über die Einführung der Todesstrafe nach.

Ein schlimmes, mieses Thema. Ein Thema, für das man die breite Masse der Menschen spielend leicht gewinnen kann. Alles, was man braucht, ist ein Kinderverzahrer oder ein etwas grausamerer Mörder, und schon schreien die Leute nach Blut.

Was die guten Leutchen dabei nicht bedenken ist, wem sie da das Recht einräumen wollen, einen der ihren (denn nichts anderes sind auch Verbrecher) zu töten. Und nicht nur zu töten, sondern auch noch mit dem hochheiligen Anstrich des Rechts und der Gerechtigkeit.

„So ein Schwein hat es doch nicht anders verdient!“ ist schnell gedacht. Aber niemals konsequent zu Ende gedacht.

Selbst wenn wir mal das bekannte Problem des unschuldig Verurteilten ausklammern. Tun wir so, als könnten wir sowas vermeiden.

Rache ist ein menschliches Urgefühl. Jeder, der Mal einem Mächtigeren ausgeliefert war, wünscht sich, es ihm heimzuzahlen. Und nicht erst, wenn das eigene Kind ermordet wird, will man Blut sehen – da reicht oft schon ein Kratzer im Autolack.

Der Rache-Impuls ist menschlich, gefühlsbetont.

Aber die Entscheidung, wer lebt und wer stirbt, die trifft dann (oberflächlich) ein gesichtsloses System aus Gesetzen und Vorschriften, Handlungsspielraum und Organmandat.

Oberflächlich! Denn es gibt da eine Gruppe von Leuten, die schreiben all diese Gesetze und Vorschriften. Die bestimmen dann, wer lebt und wer stirbt. Die Politiker. Die Regierung.

Klar, auch so kann eine Regierung töten, wen sie will – dafür gibt es schließlich Geheimdienste und Militärs.
Aber sie kann es nicht legal. Sie kann dabei nich auf dicke Bücher pochen und sagen: „Ich? Hier drinnen steht es doch!

Deshalb bin ich – ABSOLUT, PRINZIPIELL und OHNE AUSNAHME gegen die Todesstrafe. Auch, wenn mein bester Freund ermordet wird, oder eine geliebte Frau. Oder ein Kind. Oder vierzehn Kinder. DER STAAT DARF NICHT TÖTEN DÜRFEN. Weil ich nicht ertragen könnte, wenn die Bonzen auch noch entscheiden, ob einer lebt oder stirbt. Das wäre einfach zuviel.

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