Bewerbung

03/08/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Glücklich, wer’s nicht machen muss. Bewerbungen verschicken und sich vorstellen gehen wird zur Aufnahmeprüfung am Reinhardt-Seminar.

„Die Zeit“ aus Deutschland bringt einen interessanten Artikel zur Arbeitssuche in unserem Nachbarland.

Bücher zum Thema „Wie bewerbe ich mich richtig“, über Fallstricke und Fehler im Lebenslauf und ähnliches werden exponentiell mehr. Auch bei uns. Dass man auf Fragen wie „Worin liegen Ihre Schwächen“ nur mit Stärken antworten darf, oder mit Dingen, die den Arbeitgeber freuen, oder mit harm- und aussagelosem, ist klar.

Doch die Tipps aus den Ratgebern decken unendliche Bandbreiten ab. Wie man in Fernsehshows auf deutschen Sendern, in denen Bewerber begleitet werden, beobachten kann, legen manche Leute pro Bewerbungsfoto ihre 80, 100 Euro und mehr hin, verbringen den halben Tag im Fotostudio mit Makeup-Artist und Styling-Beraterin.

Um dann trotzdem eine Absage zu kassieren.

Rüstungsspirale

Denn auch die Personalisten kennen alle entscheidenden Tricks und sortieren aus, glauben ohnehin nichts, was im Lebenslauf steht, halten alles für übertrieben und geschönt.
Schön blöd, wer da die Wahrheit schreibt.

Eine „Rüstungsspirale“, die sowohl Bewerber zu immer „glatteren“ Lebensläufen zwingt, als auch Personalisten, sich Brüche und Probleme in die Texte hineinzudenken.

Perfektion

Jeder muss einzigartig, großartig, perfekt sein. Jeder einzelne.
Und natürlich, bei aller Perfektion, Hungerlöhne und „neue“, an den Beschäftigungs-Gesetzen vorbei zielende „Werkverträge“, „prekäre Beschäftigungs-Verhältnisse“ akzeptieren. Dankbar akzeptieren!

Schauspielerei

Bewerbung wird zum Aufriss: Schnell versuchen, die Frau / das Unternehmen davon zu überzeugen, dass man superreich, souverän, selbständig und von allen begehrt ist. Fällt sie drauf rein, hat man’s geschafft und darf die Nacht / den Probemonat mit ihr / ihm verbringen.

Dann kommt natürlich heraus: Man hat nur zwei Anzüge, das Auto ist geleast, man wohnt nur zur Miete / man spricht Mandarin nur mit schwerem deutschen Akzent, man hat bisher erst zwei Mal mit Power Point gearbeitet, kann CC++ nur auf Anfängerniveau.

Nun klagen die Unternehmer: „Wir suchen ja hier nicht den Burgschauspieler!“ und ärgern sich, dass sich fast alle verstellen, einstudierte, falsche Körpersprache zeigen und lügen.

Doch: Wer ist schuld? Wer lehnt denn ehrliche, gerade Menschen, die sagen, was sie denken und sich bewegen, wie sie es gewohnt sind, ab?

Glücklich wahrhaft, wer’s nicht machen muss. Glücklich, wer einen sicheren (wie viel gibt’s davon?) Job hat und damit zufrieden ist, glücklich, wer sich bewerben kann, während er sicher in einem schon lukrierten Job sitzt.

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