Wir

30/08/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Natascha Kampusch wird gleich mit dem miesen Geld-Sumpf konfrontiert. Na Bravo.

Nochmal ein Beitrag zu Natascha Kampusch – sorry. Aber das aktuelle Hick-Hack um Fotos, Interviews und Informationen für Geld ist zu erschütternd, um es zu übergehen.

Anwälte wollen „einen sechsstelligen Euro-Betrag geltend machen.“ schreibt der Kurier, wenn jemand unerlaubt ein echtes Foto veröffentlichen würde. Krone und Fellners dementieren nebstbei, Unsummen für ein solches Foto geboten zu haben.

Money Makes the World Go Round

„Schöne Sümmchen“ glauben Anwälte einklagen zu können, wenn der „höchstpersönliche Lebensbereich“ Nataschas verletzt wird. Gab es da nicht ähnliches auch damals mit der „Mord-Oma“ Elfriede Blauensteiner? Die lud zum Foto-Termin, ließ sich ablichten, und klagte dann – erfolgreich!! – gegen die Veröffentlichungen, weil sie die einzelnen Bilder nicht dezidiert freigegeben hatte.

Man muss sich einmal vorstellen, wie dieses Verhalten bei jemandem ankommt, der bisher abgesondert von der Gesellschaft gelebt hat. Wie „wir“ uns in den ersten Tagen und Wochen gebärden, vermittelt einem „Neuankömmling“ ja einen großteil des Bildes, das er sich von „uns“ macht.

Schlechter Eindruck

Momentan sehen wir aus wie eine Band von Hysterikern, die erst kreischend hin und herlaufen, um danach übereinander herzufallen und uns gegenseitig möglichst schnell möglichst viel Geld wegzunehmen.

Zugegeben: Der Eindruck trifft den Kern unserer Gesellschaft ziemlich genau. Trotzdem schade: Wieder eine Gelegenheit verpasst, menschlicher zu sein.

Saliero

29/08/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Am 7. September beginnt der Prozess um den Saliera-Dieb Robert Mang.

Den „Wiener“ habe ich nicht gelesen. Laut „Heute“ bricht der „Wiener“ eine Lanze für den Angeklagten und bittet um ein mildes Urteil, auf der Basis der Behauptung, der Angeklagte sei jung, fesch, schneidig und cool.

Nun, derartige Kategorien haben vor einem ordentlichen Gericht keine Bedeutung.

Trotzdem: Ein allzu hartes Urteil wäre sicher nicht angebracht. Schließlich war es nicht Robert Mang, der ein einzigartiges, aus Wachs(!) gefertigtes Kunstwerk eine gute Stunde lang gleißen hellem Scheinwerferlicht ausgesetzt und in ungeschickten Fingern vor Kameras hin und her gedreht hat.

Unter Mangs Bett hat sich nur Staub auf den Figuren angesetzt. Von da können die oft beschworenen Beschädigungen kaum kommen. Eine Fingerabdruck-Untersuchung würde die Hauptschuld an den Beschädigungen mit Sicherheit im ministerialen und musealen Berufssegment ansiedeln.

Wahrscheinlich wird die Sache für den guten Mann trotzdem nicht mit einem blauen Auge abgehen – schließlich ist es ein sehr plakativer Fall, und der Richter muss wohl auch im Auge behalten, dass ein mildes Urteil auch so ausgelegt werden könnte, dass man nur genug Medienrummel verursachen muss, um nicht ganz so hart angefasst zu werden.

Man kann ihm nur wünschen, dass er nicht auch noch privatrechtlich für jede von Gehrers Griffeln eingedrückte Delle haftbar gemacht wird.

Mandat

28/08/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Frankreich soll sich in Sachen Libanon blamiert haben, heißt es. Weil es auf ein stärkeres Mandat warten wollte. War doch richtig, oder?

Alle Welt drängelte und meinte: „Ihr müsst das Kommando übernehmen“. Klingt ja auch logisch, so als ehemalige Kolonialmacht, da ist man, eurozentristisch betrachtet, auch zuständig.

Aber eine UNO-Truppe ist nicht so etwas wie ein Zauberspruch. Das sind ein paar Leute mit blauen Helmen und schlechter Bewaffnung. Mit einer schlechten Bewaffnung, die sie meist nur zur Selbstverteidigung einsetzen dürfen, nachdem schon auf sie gefeuert wurde.

Ein unangenehmer Job.

Ebenfalls unangenehm: Sie zu kommandieren und nachher schuld zu sein, wenn zehn oder hundert von ihnen im Beka’a-Tal verrecken.
Nein, es ist kein Gesichtsverlust, wenn man da seine Verluste minimieren will, sondern Klugheit. Aber Klugheit hat in der Politik ja kurze Beine. Und so ist sie auch schnell gestrauchelt.

400 = 3 = Niemand

Die Welt wunderte sich, als Frankreich sich nur mit 400 Mann beteiligen wollte. 400 Mann, das ist hingespuckt. Das ist, als würde man gar niemanden schicken.

So wie die Slowakei mit ihren drei Mann. Kein Problem, da in den lokalen Zeitungen genaue Portraits der gesamten Truppe zu bringen.

2.000

Nun also doch 2.000 Franzosen. Es war Chirac zu peinlich, die verwunderten Blicke der anderen. Er hat seine Militärs gezwungen. Aber das Kommando geht an Italien. Meiner Meinung nach keine Blamage für Frankreich, sondern ein Glück.

Für die Italiener macht es keinen Unterschied: Deren Militärgeschichte ist ebenso ruhmreich wie die österreichische. Abessinien, Albanien, Libyen … Eine Niederlage mehr oder weniger ist da nicht so wichtig.

Mandat

Für eine UNO-Truppe ist das genau abgegrenzte Mandat das Um und Auf. Ohne zu wissen, was man darf und was nicht, wie weit man sich bewegen darf, was man alles still akzeptieren muss, kann man nicht einschätzen, nicht planen, nicht erfolgreich sein.

Wir erinnern uns an Jugoslawien?
Als Milizionäre die Pistole auf der Schulter eines UN-Soldaten auflegten, um den „Beschützten“ im Jeep zu erschießen, während der UN-Soldat murmelte: „Ich muss Sie dringend auffordern, diese Aktivitäten zu unterlassen!“ Als die UN-Schutzzonen der Reihe nach niedergewalzt wurden?

Genau dieses Schicksal wird die UNO-Truppe im Libanon erleiden, wenn sie kein „starkes“ Mandat erhält. Und das wird sie nicht, dafür werden gewisse Länder mit ständigem Sitz im Sicherheitsrat schon sorgen.

Viel Spaß an alle, die sich da beteiligen müssen.

Kurier

26/08/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Der Kurier wird neu. Lesefreundlicher, wie es heißt. Kurz vor „Österreich“.

Ein hübscher Coup. Auch wenn die Fellners auf Pro7 Sendezeit versitzen, stiehlt ihnen der Kurier mit seinem x-ten Relaunch die Schau. „Moderner und frischer“, heißt es. Doch – genau wie beim Fellner-Blatt – den Fotos zufolge wird auch der „neue“ Kurier nicht DER große Wurf am Medienmarkt.

Nichts gegen den Kurier!

Es handelt sich dabei wahrscheinlich um die zweitbeste Zeitung Österreichs.
(*höhnisch grins anlässlich der Überlegungen, die der Leser nun anstellen muss*)

Aber Nur weil der Text jetzt rechts bis nach oben reißt und das Kurier-Logo fetter wird, ist die Zeitung nicht gleich eine Revolution. Schön immerhin zu hören, dass es eine breitere Regionalberichterstattung geben soll. Ist doch der regionale Journalismus, die Chronik, quasi der „echte“, wo Platz ist für eigenes, anstatt wie im internationalen Bereich quer durch die gesamte Medienlandschaft durch die Bank einfach die APA-Meldungen abzuklopfen.

Persönlich bin ich trotz Skepsis deutlich gespannter auf den neuen Kurier als auf „Österreich“. Denn vom Kurier ist man gewohnt, dass auch Inhalt dahinter steht, während bei den Fellner-Brothers bis jetzt stets in erster Linie heiße Luft produziert wurde. Und es keinen Anlass gibt, für die Zukunft etwas anderes zu erwarten.

Kampusch

25/08/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Ein Thema, an dem man eigentlich nicht vorbeikommt. Aber es ist ein ungutes Thema.

Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie es damals passiert ist, oben am Rennbahnweg. Mittlerweile ist der kaum mehr wiederzuerkennen. Farbe statt Grau. Eine U-Bahn an der Ausfahrt. Jede zweite Wohnung mit Internetanschluss. Jeder hat ein Handy.

Es ist eine ganz andere Welt, in die Natascha Kampusch zurückkehrt – so wie Rip van Winkle, nur dass sie leider nicht geschlafen hat, sondern acht Jahre bei vollem Bewußtsein gefangen war.

Grausig.

Standard-Kolumne zum Thema

Kommentare

sluder schrieb:

fassungslosigkeit und blankes entsetzen darüber, was natascha passiert ist. unvorstellbar, jenseits von allem. ihre rückkehr hat nicht nur mich mehr als berührt. ich wünsche ihr und ihrer familie kraft und frieden, möge von nun an das gute ein ständiger begleiter sein, verdient haben sie es, mehr als das sogar. wunder geschehen…ich habs gesehen.
Samstag, 26. August 13:00

Linda schrieb:

Sie ist unnötich und angetan!!!!!
Mittwoch, 20. September 11:15

Lachen

24/08/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Über die Spam-Flut kann man lachen oder weinen. In diesem speziellen Fall ist lachen angebracht.

From the desk of
Mr.Larry Liu Yongxing.
Managing Director.
Huamao Art and Crafts.
Shanggan Town Minhou County Fujian,
China.
Personal e-mail: hmartsarts_crafts@yahoo.com.cn
Dear sir/Madam,

Goodday to you,My name is Mr.Larry Liu Yongxing, managinig director of
HUAMAO ARTS AND CRAFTS Import./Export. Corp.(HMARTS) we are a group of
business men who deal on Art and Craft and export into the
Canada/America and Europe.

We need representative in country to help facilitate payment of money
from clients that ship products to their own countries. We have no
agents in america and canada and this affect business so much they owe
us
many money. language barrier also bad and cannot get good information
from client because english not very good.

China is big country but have bad government and many law. Before we
have many client in canada and america but they run because they see
we
cannot collect money from them because of sanction by government. some
ready to pay but other become bad debt(money). we lost many money like
this but have no choice. Money is up to $6 millions that cannot
collect. Company executive afraid to travel because of government law
on
travel and exchange of information and jail.

We are searching for representatives who can help us establish a medium
of getting to our customers in the Canada/America and Europe as well as
making payments through you to us. Please if you are interested in
transacting business with us we will be very glad. Please contact us
through my personal email address: hmartsarts_crafts@yahoo.com.cn for
more
information.

Subject to your satisfaction you will be given the opportunity to
negotiate your mode of which we will pay for your services as our
representative in Canada/America and Europe Please if you are
interested
forward
to us your phone number/fax and your full contact addresse to me.

Thanks In advance

Managing Director,
Mr.Larry Liu Yongxing.

Besonderes Gustostückerl: „China is big country but have bad government“

Freiheitlich

22/08/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Die FPÖ droht, die Nationalratswahl nach ihrer wohl unvermeidlichen Schlappe anzufechten. Mit Recht.

Dass die FPÖ verliert, ist wohl unausweichlich. Stumpfsinnige Inhalte, ein Hanswurst als Chef. Aber der Partei widerfährt Unrecht. Und so ist ihre Drohung, die Nationalratswahl anzufechten, nicht nur ernstzunehmen, sondern auch berechtigt.

Warum?

Die Haidersche Neuschöpfung BZÖ nennt sich bei der Wahl allen Ernstes „Die Freiheitlichen“. Und das, obwohl die gesetzlichen Bestimmungen das verbieten:

§ 44. (1) Wenn mehrere Landeswahlvorschläge dieselben oder schwer unterscheidbare Parteibezeichnungen bzw. Kurzbezeichnungen tragen, so hat der Landeswahlleiter die Vertreter dieser Wahlvorschläge zu einer gemeinsamen Besprechung zu laden und ein Einvernehmen über die Unterscheidung der Parteibezeichnung bzw. Kurzbezeichnung anzubahnen. Gelingt ein Einvernehmen nicht, so hat die Landeswahlbehörde Parteibezeichnungen, die schon auf veröffentlichten Wahlvorschlägen bei einer Nationalratswahl innerhalb der letzten zehn Jahre enthalten waren, zu belassen, die übrigen Landeswahlvorschläge aber nach dem an erster Stelle vorgeschlagenen Bewerber zu benennen. Gleiches gilt für Kurzbezeichnungen mit der Maßgabe, dass die Landeswahlbehörde die Kurzbezeichnungen auf den übrigen Landeswahlvorschlägen zu streichen hat.

(2) Desgleichen sind auch Landeswahlvorschläge ohne ausdrückliche Parteibezeichnung nach dem an erster Stelle vorgeschlagenen Bewerber zu benennen.

(3) Wenn ein Landeswahlvorschlag nach dem an erster Stelle vorgeschlagenen Bewerber zu benennen ist (Namensliste), der Name des Listenführers aber dem Namen des Listenführers einer anderen Landesparteiliste gleicht oder von diesem schwer unterscheidbar ist, hat der Landeswahlleiter den Vertreter dieses Wahlvorschlages zu einer Besprechung zu laden und ihn aufzufordern, einen anderen Listenführer zu bezeichnen, dessen Name zu einer Verwechslung nicht Anlass gibt. Wird in einem solchen Fall kein anderer Listenführer namhaft gemacht, so gilt der Landeswahlvorschlag als nicht eingebracht.

(4) Im übrigen gilt der Grundsatz, dass bei neu auftretenden wahlwerbenden Parteien die Parteibezeichnung der wahlwerbenden Partei den Vorrang hat, die ihren Landeswahlvorschlag früher eingebracht hat.

Kurz:

Die bei der Wahl von der BZÖ genutzte Bezeichnung gibt zu Verwechslungen Anlass und ist daher illegal.

Doch die ÖVP lässt sie zu. Warum? Ganz klar: Sie hofft, dass unter den Wählern der beiden rechten Parteien so viel Verwirrung entsteht, dass kaum jemand weiß, was er ankreuzen soll, um auch wirklich „seine“ freiheitliche Fraktion zu erwischen. Kann gut passieren. Auf diese Weise gehen speziell dem tendenziell größeren BZÖ – das diesen Umstand nicht zu begreifen scheint – Wähler verloren. So schaffen womöglich
a) beide den Einzug nicht
oder
b) wer immer es schafft, ist derartig geschwächt, dass er keine Rolle mir im politischen Alltag spielen wird.

Scheinbar ein genialer Coup der ÖVP, die nun das rechte Lager dominieren und sich stärken kann. Könnte auch sehr leicht gelingen, speziell mit so einer willfährig sich selbst demoniterenden Partie [sic!] wie dem BZÖ.

Machtmissbrauch

Doch: Illegal. Ein klarer Fall von Machtmissbrauch. Denn nehmen wir einmal an, Hans-Peter Martin würde sein Wahlbündnis, sagen wir, „Österreichischer Volks Bund“ – ÖVB nennen.

Selbstverständlich würde das Innenministerium völlig richtig argumentieren, dass der Name dem der ÖVP zu ähnlich wäre. Martin müsste sich etwas anders überlegen.

Doch die Gegner lässt man augenzwinkernd sich selbst zerfleischen.

Das schwarze Ministerium mischt sich – passiv, aber doch – auf Seiten der Schwarzen in den Wahlkampf ein. Verständlich, wenn man die politische Überzeugung der handelnden Personen sieht. Aber um die geht es nicht. Die Beamten des Innenministeriums vertreten als Organe eine überparteiliche Instanz – den Staat – die Republik – die Demokratie.

Und was in China durchaus akzeptabel ist (sogar begrüßenswert: Mehrere oppositionelle Listen!), ist in Österreich nicht rechtens und nicht hinnehmbar. Oder sollte dies nicht sein.

Ein guter Grund, die SPÖ zu wählen. Ein Haufen planloser Penner zwar, aber die Gegenkraft zu den machttrunkenen und Macht missbrauchenden Schwarzen, die so nicht davonkommen dürfen.

Und ein zwingender Grund sowohl für FP- wie BZ-Ö, das Wahlergebnis vor den Kadi zu bringen und zu stürzen.

Kommentare

fatalist schrieb:

dein grund für ein kreuzerl bei der spö find ich überlegenswert. im prinzip sind wir ja alle penner, irgendwie
Mittwoch, 23. August 20:00

Wo bin ich?

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