Anorexipositas

26/07/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Wie kommen Portale wie Schlanker Leben eigentlich an ihre Kunden? Ein Wiener Stadt-Erlebnis.

Wie kommen Portale wie Schlanker Leben eigentlich an ihre Kunden? Ein Wiener Stadt-Erlebnis.
Es geschah bei einem S-Bahnhof. Eine Ansammlung weiblicher Verwandter umstand ein kleines Mädchen; wohl so zwischen zwei und drei Jahren alt. Dem Vernehmen nach hatte das Kind aktuell gerade den dritten Tag infolge keinen Bissen feste Nahrung zu sich genommen, nur jede Menge getrunken, mehrere Liter täglich.

Durchaus nachvollziehbar eigentlich, bei der Hitze. Da hat man selbst keine große Lust auf Stelze und Sachertorte.

Die Verwandten machten sich große Sorgen um das Mädchen, das sich freilich quietschfidel zeigte und auf den ersten Blick des Laien auch keine körperlichen Mangelerscheinungen aufwies. Keine eingesunkenen Augenhöhlen, kein stierer Blick, keine Apathie… alles in Ordnung. Und asymptomatische Unterernährung gibt es ja, denke ich, nicht.

Nachdem alle Bemühungen, dem Kind Essen schmackhaft zu reden, nichts fruchteten, versuchte es die Oma mit umgekehrter Psychologie: Sie erklärte dem Mädchen in leuchtenden Farben, es dürfe weiter nichts essen, weil es solle nicht groß und stark werden wie andere Kinder, sondern klein und spindeldürr und krank.
Kein Erfolg.
Umgekehrte Appelle: „Du musst essen, sonst sind wir ganz traurig!
Die Erwiderung: „Nein!

Klarer Geist, klare Worte. Das Kind wird dem unerkannten Beobachter immer sympathischer.

Sozialisierung

Jedenfalls ist damit bewiesen dass die meist ungesunde Fixierung des weiblichen Geschlechts auf Essen oder Nichtessen, dass Anorexie und sonstige Sperenzchen, welche Nahrungsaufnahme und soziale Akzeptanz, Ernährung und gesellschaftlichen Erfolg, verknüpfen, nicht im Doppel-X-Chromosom begründet sind.

Die Ernährungsprobleme werden – mit den besten Absichten – von anderen Frauen gelehrt. Von Frauen, die ein solches Ergebnis weder wollen noch ahnen können – sie machen sich einfach guten Gewissens Sorgen.

Geschlechterdifferenz

Wenn ein Bub ein paar Tage nichts isst, was sagen die Verwandten dann?
Vermutlich: „Wenn er Hunger hat, wird er schon was essen.
Und so geschieht es dann auch.

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