Hisbollah

20/07/2006 § Ein Kommentar

Lug und Trug, fehlgeleitete Heimatliebe und billige PR-Gags.

Eine ungute Gegend, in der immer nur gekämpft und getötet wird und bei der man sich wirklich fragen muss, warum dort überhaupt irgend jemand wohnen will.

Ich schreibe sehr ungern über Israel und den Nahen Osten. Aus nahe liegenden Gründen: Es handelt sich um ein emotional aufgeheiztes Thema, über das sich seit ich geboren bin und noch weit länger nur gestritten, niemals Einigkeit erzielt werden kann.

Es kommt nichts Gutes aus der Beschäftigung mit diesem Thema.
Aber trotzdem: Ich muss auf etwas reagieren.

Komische Freundschaft

Amos Oz ist Schriftsteller und berühmte israelische Friedenstaube. Er schreibt in einem Beitrag für die deutsche FAZ, der Feind im aktuellen Konflikt im Libanon sei die Hisbollah – (gut, o.k.) – und von einem Konflikt zwischen einer ?Koalition friedensorientierter Staaten (Israel, Libanon, Ägypten, Jordanien und Saudi-Arabien) und dem fanatischen Islam, angeführt von Iran und Syrien.?

Häh? Libanon und Israel als gute Freunde? Wäre spannend, wie das die einfachen Bürger im Libanon sehen. Leider werden wir das wohl nie erfahren.

Vor einer Entwaffnungsaktion müsse Israel seine ?verbrecherischen Bombardierungen? des Libanon einstellen, sagt der libanesische Ministerpräsident, der also zwar die Hisbollah als unangenehme Präsenz im Lande empfindet, aber sich deshalb noch lange nicht als Verbündeter Israels sieht.

Kriegsgrund

Kaum glaubhaft übrigens, dass eine Armee einen Tag nach einer plötzlichen Entführung gleich mit Tausendschaften an der Grenze steht und tagelang ohne Unterbrechung losballert.
So fix sind nicht einmal die Israelis.

Sprich, ich gehe davon aus, dass man in Tel Aviv schon länger darauf gewartet hat, wieder im Libanon einzumarschieren. Alles lag schon bereit, als – endlich – die Hisbollah sich mit dieser lächerlichen und nutzlosen Entführung brüstet.

Und Zack.

Kinder als Propagandamittel und -ziel

Interessant ja auch die Fotos, auf denen israelische Schulmädchen mit Lackstift höhnische Grußbotschaften an die Hisbollah auf Artillerie-Granaten schreiben.
Wie kommen diese Kinder dann nach der Schule (ich gehe davon aus, dass es sich um einen organisierten Schulausflug an die Front handelte, weiß natürlich nichts Genaues) nach Hause zur Mutter?

Vielleicht so:
„Stell dir vor, Mama, ich durfte heute eine 155mm-Granate beschriften! Hoffentlich trifft meine irgend etwas Großes, ein Haus oder so. Ich habe jedenfalls draufgeschrieben: ‚Verreckt, dreckiges Aarabergesindel‘.“
„Wie schön, Shalit. Ich bin so stolz auf dich!“

So wächst eine neue Generation heran, bei der wir schon ahnen können, wie die Meinungs-verschiedenheiten in der Region auch in 20 und 40 Jahren noch ausgetragen werden.

Grund zum fröhlichen Lächeln immerhin, dass Österreich da hübsch weit weg davon liegt.

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§ Eine Antwort auf Hisbollah

  • ahabicher sagt:

    fatalist schrieb:
    Liegen wir in Österreich, wirklich so weit weg? Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

    Ich glaube, jeder neue Anschlag in Europa wird die Kluft zwischen Moslems und nicht Ungläubigen vertiefen.

    Zuerst streitet man, dann will man keinen Kontakt mehr, in weiterer Folge stellt man keinen Moslem mehr in der Firma an usw., usw.

    Wenn Deutschland – wie ein Politiker unseres größten Nachbarn angemerkt hat – mittlerweile am Hindukusch verteidigt werden muss, wie sieht es dann mit Krisen an der kulturellen Grenze in der Gegend, die man gemeinhin als Heimat nennt, aus?
    Sonntag, 13. August 13:35

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