Inder

11/07/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Mit großer Verspätung hat Misoskop das erste Mal „Bend it like Beckham“ gesehen.
Der Film ist schon recht alt, und praktisch jeder kennt ihn schon. Ich habe ihn erst am Sonntag gesehen, als der ORF ihn anlässlich des Fußball-WM-Finales ausgestrahlt hat. Der deutsche Titel „Kick it like..“ trifft den Kern der Sache ja nicht ganz, geht es doch nicht um simples Kicken. Freilich: Die Verleihfirma fürchtete wohl, die stupiden Deutschsprachigen würden den Titel nicht begreifen können.

Zum Film: Ein spannendes Sittenbild traditionell lebender Inder in England, mit deutlichen Parallelen zu den Bollywood-Streifen, die seit geraumer Zeit mit wechselnder Regelmäßigkeit über RTL 2 ins Wohnzimmer driften.

Bollywood

Vor allem insofern, als sich bei allen handelnden Charakteren vielschichtigere Motivbündel und „echtere“ Seelenleben zeigen als bei vergleichbaren „westlichen“ Figuren.

Der Vater der kleinen Ball-Zauberin etwa. Statt durchgängig gestrenger Patriarch zu sein, der nur durch einen Schicksalsschlag gebogen werden kann, besitzt der Mann mit dem Turban von Anfang an einen weichen, verletzlichen Kern und will die geliebte Tochter mit seinen Verboten nur schützen.

Ich vergleiche hier mit jenem Bollywood-Streifen, der bei mir persönlich den stärksten Eindruck hinterlassen hat: Jenem um die indische Kaderschmiede „Gurukul“ und ihren eisenharten Direktor. Selbst dieser Extrem-Ungustl, der sogar die Sonne (!) niederstarren wollte, war im Grund ein verletzlicher – und verletzter – Gefühlsmensch.

Gefühle

Der Nukleus des kulturellen Unterschiedes zwischen Bolly & Holly?
Emotionalität versus Coolness, Weinen versus Zähnefletschen, Singen versus Schießen.
Selbst Supersoldat Major Ram hat ja mehr getanzt als geballert, und unser Österreich-Export, der T100, zieht mit stur-hölzernem Einheitsgesicht durch die Höhen und Tiefen des Roboterlebens.
(An dieser Stelle verlangt der Anstand eine Verbeugung vor masala)

Lernen fürs Leben

Ein wenig Indien würde Österreich da ganz gut tun. Ein Blick in eine beliebige Disco oder einen Club reicht aus: Da stehen aufgefädelt steife Gestalten, Halt suchend ein Glas oder einen Becher umklammert, einheitlich ausdruckslose Gesichter einstudierter Coolness, die Tanzbewegungen schwanken zwischen Kopfnicken und Fußwippen, während kalter Schweiß den Rücken herunterläuft aus Angst, sich zu blamieren.

Nicht falsch verstehen – ich will mich da gar nicht ausnehmen. Vielleicht bin ich sogar der Schlimmste. Ich stehe auch dabei, der am schlechtesten Angezogene in der Reihe.

Europa braucht mehr Gefühl. Europas Männer brauchen den Mut, sich zu exponieren, den Mut zur Unterschiedlichkeit, den Mut zu Fehlern, zum Leben.
Ein Hauch Shah Rukh Khan täte dringend Not.

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