Schleimscheißer

27/07/2006 § Ein Kommentar

Ein hartes Wort. Aber gerechtfertigt. Fliege an der Wand bei einem netten Mädchen mit einem schlechten Freund.

In einem Bus in ein eher abgelegenes Wiener Stadtgebiet nahmen ein junger Bursche (19? 20?) und seine Freundin (18?) Platz. Sie: hübsch, machte einen geistig normalen Eindruck. Er: Leichenbittermiene, Hundeaugen, aber irgendwie aufgesetzt. Hätte sicher auch ganz gut ausgesehen, wenn er die Stirn nicht dauerhaft in solche Dackelfalten gelegt hätte.

Die ganze Fahrt über hielt er ihre Hand und streichelte mit dem Daumen, als wolle er das Mädel hypnotisieren. Könnte auch gut sein, denn er wollte eine ganze Menge erreichen.

Muttersöhnchen

Erstens wollte er auf keinen Fall, dass sie, wie es ihr Plan war, einen Ferialjob in derselben Firma annahm, in der seine Mutter zuletzt gearbeitet hatte. Er hatte ihre Pläne mit seiner Mutter „besprochen“ und wollte sie vor einem Irrtum „bewahren“.
Sie meine wohl, „für ein paar Tage Arbeit“ bekäme man dort 1.000 Euro! Das sei aber nicht so!

Sie zuckte die Achseln. 10 Tage seien nicht viel. Besser als ein ganzerMonat. 1.000 Euro wären gutes Geld.

Trotzdem. „Tu es nicht!“ Blabla.
Die Mutter habe nur so viel an 10 Tagen verdient, weil sie tapfer so viel geschöpft hätte wie andere in zwei Monaten. (oh, so fleißig, die gute Mutter… und wir wissen ja, dass Arbeitgeber generell jedem, der in 10 Tagen viel weiterbringt, zwei Monatslöhne nacherfen, die guten Seelen!)

Warum die Mutter seine Freundin dort nicht haben will? Keine Ahnung. Warum er nicht? Er will mit ihr auf irgend ein Festl fahren und möchte nicht, dass sie dann stattdessen arbeitet. Könnte man als Motiv gelten lassen, aber die Art und Weise ist unter aller Sau.

Geld rausleiern

Das nächste Thema stieß mir sauer auf und weckte erst wirklich meine Aufmerksamkeit: Er wollte, dass sie sich von Verwandten in Ungarn Geld leihen solle: 30.000 Forint. „Wenn deine Verwandten so stinkreich sind, wie du sagst….frag deinen Cousin… er wird dir das Geld geben…. ich weiß es genau!“

Sie widersprach einige Zeit, dann gab sie gemurmelt irgend etwas zurück, was zustimmend klang, und er gab sich damit zufrieden.

Freundinnen madig machen

Dennoch blieben seine steilen Stirnfalten stehen, sein Mund zog sich flehend nach unten – er hatte noch mehr auf dem Herzen.

Eine ihrer Freundinnen sei furchtbar, sie solle den Kontakt mit ihr nicht weiter pflegen. Minutenlang lamentierte er vor sich hin, wie gemein, arbeitsscheu und wasweißichnochalles diese Freundin nicht wäre – und sie habe kein Recht, dieses oder jenes über „Sven“ zu sagen.
(Sie hat das Recht, so gut wie alles zu sagen, meine ich – sie ist in Österreich.)
Er selber sei ja auch überhaupt nicht dafür, Freundschaften so ohne weiteres zu beenden. Er habe wenige Freunde, dafür intensive … blabla, der übliche Text in diesem Fall … durch dick und dünn … blabla.
Nur – bei besagter Freundin, tzt, tzt, tzt.

Als es für Misoskop an der Zeit war, einen anderen Weg einzuschlagen als das Pärchen, war die Diskussion noch nicht beendet.

Zum Pfeffer

Mein Bauchgefühl drängte danach, den Kerl zu fragen, ob er seine Freundin für eine Idiotin halte. Aber mein Kopf sagte: Wenn du das machst, dann ist das ein Angriff von außen und schweißt die beiden zusammen.
Bleibt die Hoffnung, dass die Kleine so intelligent ist, wie sie aussieht, und diesen Flachmatiker dahin schickt, wo er hingehört.

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Anorexipositas

26/07/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Wie kommen Portale wie Schlanker Leben eigentlich an ihre Kunden? Ein Wiener Stadt-Erlebnis.

Wie kommen Portale wie Schlanker Leben eigentlich an ihre Kunden? Ein Wiener Stadt-Erlebnis.
Es geschah bei einem S-Bahnhof. Eine Ansammlung weiblicher Verwandter umstand ein kleines Mädchen; wohl so zwischen zwei und drei Jahren alt. Dem Vernehmen nach hatte das Kind aktuell gerade den dritten Tag infolge keinen Bissen feste Nahrung zu sich genommen, nur jede Menge getrunken, mehrere Liter täglich.

Durchaus nachvollziehbar eigentlich, bei der Hitze. Da hat man selbst keine große Lust auf Stelze und Sachertorte.

Die Verwandten machten sich große Sorgen um das Mädchen, das sich freilich quietschfidel zeigte und auf den ersten Blick des Laien auch keine körperlichen Mangelerscheinungen aufwies. Keine eingesunkenen Augenhöhlen, kein stierer Blick, keine Apathie… alles in Ordnung. Und asymptomatische Unterernährung gibt es ja, denke ich, nicht.

Nachdem alle Bemühungen, dem Kind Essen schmackhaft zu reden, nichts fruchteten, versuchte es die Oma mit umgekehrter Psychologie: Sie erklärte dem Mädchen in leuchtenden Farben, es dürfe weiter nichts essen, weil es solle nicht groß und stark werden wie andere Kinder, sondern klein und spindeldürr und krank.
Kein Erfolg.
Umgekehrte Appelle: „Du musst essen, sonst sind wir ganz traurig!
Die Erwiderung: „Nein!

Klarer Geist, klare Worte. Das Kind wird dem unerkannten Beobachter immer sympathischer.

Sozialisierung

Jedenfalls ist damit bewiesen dass die meist ungesunde Fixierung des weiblichen Geschlechts auf Essen oder Nichtessen, dass Anorexie und sonstige Sperenzchen, welche Nahrungsaufnahme und soziale Akzeptanz, Ernährung und gesellschaftlichen Erfolg, verknüpfen, nicht im Doppel-X-Chromosom begründet sind.

Die Ernährungsprobleme werden – mit den besten Absichten – von anderen Frauen gelehrt. Von Frauen, die ein solches Ergebnis weder wollen noch ahnen können – sie machen sich einfach guten Gewissens Sorgen.

Geschlechterdifferenz

Wenn ein Bub ein paar Tage nichts isst, was sagen die Verwandten dann?
Vermutlich: „Wenn er Hunger hat, wird er schon was essen.
Und so geschieht es dann auch.

L

25/07/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Die Grünen demonstrieren. Fürs Fernseh-Programm.

Grundsätzlich ist es – als Symbol für die Klientel, die die Partei ja zu einem nicht zu vernachlässigenden Ausmaß vertritt – durchaus zu verstehen, dass die Grünen auf dem Küniglberg herumstehen. Dort protestieren sie dagegen, dass der ORF in seiner Programmplanung die auf Pro7 (ist es Pro7?) gesendete US-Serie „The L-Word“ nicht ausstrahlt.

Verständlich, wie gesagt, als Symbol.

Aber irgendwie ein blödes Beispiel.
Denn – Wer hat die Serie schon gesehen? – dümmer und lahmer geht’s kaum.

Die Protagonistinnen sind allesamt so Ende 20, Anfang 30. Trotzdem beschäftigen sie sich intensiv mit essentiellen Fragen wie:
„Was ist eine weibliche Ejakulation?“
„Ist diese oder jene Sache/Reaktion normal?“
„Wie funktioniert Cunnilingus?“
„Ist diese oder jene Praktik gesundheitsschädlich?“

Alles Fragen, deren Antworten in dem Alter kein Geheimnis mehr darstellen sollten.

Dieses Geschwafel im Café ist nur Füllwerk, bis man wieder eine (langweilige, denn man sieht eh nichts) Sexszene sehen darf, und dient allerhöchstens gleichzeitig der sexuellen Aufklärung pickeliger Jungfrauen beiderlei Geschlechts.

Ahnungslos

Was die Grünen nicht wissen:
Die Serie ist NIEMALS dafür gedacht gewesen, die „Akzeptanz blabla schwafel schwafel“ zu heben, sondern ist ein Quoten-Bringer. Sie zielt auf heterosexuelle Männer zwischen … hmm … 14? 16? und 29.

Wer ist begeisterter von lesbischen Sexszenen als heterosexuelle Männer?
Die Antwort liegt klar auf der Hand:

Niemand.

Diebstahlversicherung

24/07/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Wie schützt man sich gegen Diebstahl?

Man erlaubt ihn.

Es ist in Wien ja üblich, die aushängenden Wochenendzeitungen als Gratis-Geschenkausgabe aufzufassen. Nur eine Hand voll Greise und kleine Kinder werfen Geld in diese kleinen Döschen.

Nicht falsch verstehen – bei mir liegen die Dinger morgens vor der Tür, dies ist also kein Geständnis.

Grundsätzlich ist es für so eine Zeitung ja auch keine böse Überraschung, wenn nur ein Bruchteil der ausgehängten Zeitungen bezahlt wird, denn die finanzieren sich ohnehin über die Werbung. Und Werbekontakte stellen ja auch „gestohlene“ Zeitungen dar.

Wie die Sache finanziell für jene Gesellen aussieht, die in offenen Lieferwagen mit seitlich herausbaumelnden Beinen dahinfahren, bei Langsamfahrt rausspringen und die Zeitungs-Ständer aufhängen bzw. abnehmen, weiß ich leider nicht.

Geschenkt

Gratis-Presse zum Wochenende

Foto: misoskop

Dieses Wochenende jedenfalls durfte ein jeder ohne schlechtes Gewissen das Börsel stecken lassen. Und auf einmal wird keine einzige Presse mehr gestohlen! Eine exzellente Diebstahlversicherung.

Wie die Sache finanziell für jene Gesellen …. das hatten wir schon, aber ich weiß es immer noch nicht.

Mittagessen

21/07/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Eine kleine Verbeugung vor dem beeindruckenden Blog von Mittagesser Matla.

Bei diese Hitze ist es wichtig, viel zu trinken. Am besten natürlich gesunde Sachen, gut über den Tag verteilt. Und: Nichts schweres Essen. Obst und Gemüse sind gut.
Dazu kommt natürlich, dass ich ein extremer Sparefroh bin – böse Zungen würden ja behaupten, ein Geizkragen – und daher stets nach Preis aussuche und nicht nach Packung.

Ich nehme zu mir:
1 l Multivitaminsaft Billa Hausmarke.
0,5 l Fruchtmolke, preisreduziert wegen der verwoadaglten Verpackung.
1 Apfel, Golden Delicious.

Mein Mittagessen

Foto: misoskop

;-)

Hisbollah

20/07/2006 § Ein Kommentar

Lug und Trug, fehlgeleitete Heimatliebe und billige PR-Gags.

Eine ungute Gegend, in der immer nur gekämpft und getötet wird und bei der man sich wirklich fragen muss, warum dort überhaupt irgend jemand wohnen will.

Ich schreibe sehr ungern über Israel und den Nahen Osten. Aus nahe liegenden Gründen: Es handelt sich um ein emotional aufgeheiztes Thema, über das sich seit ich geboren bin und noch weit länger nur gestritten, niemals Einigkeit erzielt werden kann.

Es kommt nichts Gutes aus der Beschäftigung mit diesem Thema.
Aber trotzdem: Ich muss auf etwas reagieren.

Komische Freundschaft

Amos Oz ist Schriftsteller und berühmte israelische Friedenstaube. Er schreibt in einem Beitrag für die deutsche FAZ, der Feind im aktuellen Konflikt im Libanon sei die Hisbollah – (gut, o.k.) – und von einem Konflikt zwischen einer ?Koalition friedensorientierter Staaten (Israel, Libanon, Ägypten, Jordanien und Saudi-Arabien) und dem fanatischen Islam, angeführt von Iran und Syrien.?

Häh? Libanon und Israel als gute Freunde? Wäre spannend, wie das die einfachen Bürger im Libanon sehen. Leider werden wir das wohl nie erfahren.

Vor einer Entwaffnungsaktion müsse Israel seine ?verbrecherischen Bombardierungen? des Libanon einstellen, sagt der libanesische Ministerpräsident, der also zwar die Hisbollah als unangenehme Präsenz im Lande empfindet, aber sich deshalb noch lange nicht als Verbündeter Israels sieht.

Kriegsgrund

Kaum glaubhaft übrigens, dass eine Armee einen Tag nach einer plötzlichen Entführung gleich mit Tausendschaften an der Grenze steht und tagelang ohne Unterbrechung losballert.
So fix sind nicht einmal die Israelis.

Sprich, ich gehe davon aus, dass man in Tel Aviv schon länger darauf gewartet hat, wieder im Libanon einzumarschieren. Alles lag schon bereit, als – endlich – die Hisbollah sich mit dieser lächerlichen und nutzlosen Entführung brüstet.

Und Zack.

Kinder als Propagandamittel und -ziel

Interessant ja auch die Fotos, auf denen israelische Schulmädchen mit Lackstift höhnische Grußbotschaften an die Hisbollah auf Artillerie-Granaten schreiben.
Wie kommen diese Kinder dann nach der Schule (ich gehe davon aus, dass es sich um einen organisierten Schulausflug an die Front handelte, weiß natürlich nichts Genaues) nach Hause zur Mutter?

Vielleicht so:
„Stell dir vor, Mama, ich durfte heute eine 155mm-Granate beschriften! Hoffentlich trifft meine irgend etwas Großes, ein Haus oder so. Ich habe jedenfalls draufgeschrieben: ‚Verreckt, dreckiges Aarabergesindel‘.“
„Wie schön, Shalit. Ich bin so stolz auf dich!“

So wächst eine neue Generation heran, bei der wir schon ahnen können, wie die Meinungs-verschiedenheiten in der Region auch in 20 und 40 Jahren noch ausgetragen werden.

Grund zum fröhlichen Lächeln immerhin, dass Österreich da hübsch weit weg davon liegt.

Medien

19/07/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Der Medienlandschaft steht ein neues Mitglied bevor. Aber kann es sich mit vorhandenem messen?

Die Gebrüder Fellner wollen, nachdem sie den Magazinmarkt von A – Z (mit Ausnahme von W und G) unter ihrem Dach vereint haben, nun auch den tagesaktuellen Markt erobern.

Ihr Testballon mit WM-Live war ja ein wenig müde nach den vollmundigen Ankündigungen („noch nie da gewesen…“) – aber die Fellner Brothers sind ja ohnehin mehr für ihre Ankündigungen bekannt als für ihre Umsetzungen. (allerdings sehr wohl für ihre Umsätze)

Österreich

Nun kommt also „die beste Zeitung mit den besten Journalisten für die besten Leser“ Österreichs. Zielgruppe: Leute unter 60 – urban, modern.

Die „durchgesickerten“ oder eher zum Durchsickern bestimmten Layout-Entwürfe sind noch müder als WM-Live: Einfach nur jede Menge Bilder und dazwischen der Text hineingewurschtet – typisch Wolfgang, würde ich sagen. Das Papier billig und durchscheinend – typisch Helmuth, würde ich sagen.
Eine Zeitung wie alle Produkte aus diesem Verlag: Gedacht für funktionale Analphabeten.

Den Erfolg werden wir ja noch erleben. Ich persönlich wette eher auf „HEUTE“: Gratis schlägt billig allemal.

profil

Profil – das ja ebenfalls zum Fellner-Imperium gehört – brachte vor mittlerweile geraumer Zeit ein spannendes Interview mit Nimmerrichter-Staberl von der Kronen Zeitung.
Gewürzt freilich mit Selbstdarstellungs-Einlagen des Interviewers Herbert Lackner („Vor 10 Jahren habe ich … eine Broschüre … 10.000 Mal verkauft“)

Interessant und Weltbild-bestätigend für ein Misoskop folgender Wortwechsel zum Sozialismus:

Nimmerrichter: Taugt diese ganze Ideologie etwas? Die Antwort war für mich Nein, weil sie in dem Wahn lebt, man könnte die Menschen besser machen.
Lackner: Und das kann man nicht?
Nimmerrichter: Man kann die Menschen nicht besser machen durch eine politische Ideologie, auch nicht durch Religion.

Wovon man sich jederzeit und überall überzeugen kann.

Ein hübsches Konzept sprießt jetzt allerorten aus den Zeitungsseiten: Leserreporter. Die U-Bahn-Zeitung „HEUTE“ spendiert eifrigen Schreibern und Fotografen 100 oder gar 1000 Euro, je nach Story – und wird prompt von „hunderten“ Zuschriften überschwemmt.
Die „Ländle“-Schreiber von den Vorarlberger Nachrichten geben’s etwas billiger mit schlappen 20 Euro pro Beitrag. Ich bin aber leider nicht in der Position, den Erfolg der Aktion so genau zu verfolgen; mal sehen.

Im Grundsatz eine exzellente Idee. Denn so bringt man die Leute endlich mal dazu, die Augen aufzumachen und die Welt um sie herum wahrzunehmen, statt nur mit stieren Grimassen des Leidens durch die Wienerstadt zu wanken.

Wo bin ich?

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